Harnstoff. 349
Körper gebracht, und wieder aus demselben weggeführtwerden.
6 ) Harnstoff. Dieser Bestandteil des Harns ist un-streitig in jeder Hinsicht der merkwürdigste. Er ertheiltdem Harn einen Theil seiner wesentlichen Charactere; ersteht, hinsichtlich seiner Zusammensetzung und seiner Kry-stallisations-Fähigkeit, gerade auf der Grenze zwischen or-ganischen und unorganischen Stoffen, und er kann künst-lich hervorgebracht werden.
Wiewohl er zuerst von Cruikshank bemerkt wor-den ist, welcher seine Eigenschaft, mit Salpetersäure zukrystallisiren, entdeckte, so verdanken wir doch die er-sten bestimmten Begriffe darüber der vortrefflichen Arbeitvon Fourcroy und Vauquelin über den Harn. Vonihnen kommt die Benennung Uree, Urea. Es war an-fangs sehr schwierig, denselben rein zu erhalten, und ihreerste Beschreibung davon zeigt, dafs sie ihn damals nochnicht rein dargestellt hatten.
Auf folgende Weise erhält man den Harnstoff voll-kommen rein. Den abgedunsteten Harn trockne man imWasserbade möglichst ein, und ziehe aus dem Rückständemit wasserfreiem Alkohol Alles aus, was dieser lösen kann.Den Alkohol destillire man im Wasserbade ab; den gel-ben Rückstand löse man in wenig Wasser und digerireihn mit ein wenig Blutlaugenkohle, wodurch er fast ganzfarblos wird. Die Flüssigkeit filtrire man ab, erwärmesie bis -|- 50°, und löse darauf Oxalsäure in derselbenauf, so viel als sie bei dieser Temperatur aufzulösen ver-mag. Beim Erkalten setzt sie farblose Krystalle von oxal-saurem Harnstoff ab. Wenn man bei Lösung der Oxal-säure die Temperatur bis nahe zu 100° erhöht, so wirddie Flüssigkeit dunkelbraun und unangenehm riechend.Der oxalsaure Harnstoff, welcher dann anschiefst, ist schönroth oder zuweilen rothbraun. Diese Farbe kann indefsmit ganz wenig Blutlaugenkohle wieder fortgenommen wer-den. Die saure Mutterlauge verdunste man bei gelin-der Wärme, wo sie dann mehr Krystalle gibt. Wennsie anfängt sich zu verdicken, und dann nicht mehr stark