Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

Die Nieren.

315

bewegende Kraft nufgebört hat, setzt ihre Capillarität ei-nen außerordentlichen Widerstand entgegen; vielleicht sindindessen dazu auch Handgriffe erforderlich, die mir unbe-kannt sind. Ich schälte alsdann die seröse Haut ab, zer-schnitt die Niere in dünne Scheiben und hing diese ineiskaltem Wasser auf, welches so oft erneuert wurde, alses sich noch färbte; hierdurch wurden die größeren, ge-färbtes Blut führenden Gefäße ausgeleert. Darauf wurdedie Niere in einer Porzellan-Pieibschaale mit einem hölzer-nen Pistill zerstoßen, und hierbei verwandelten sich dieScheiben zu meiner großen Verwunderung fast ganz undgar in Liquidum, welches durch Leinen geseiht wurde,aber unklar durchlief. Auf dem Tuche blieb eine fase-rige Masse, die ich, in Leinen eingepackt, so lange in rei-nem Wasser knetete, als dieses davon noch milchigt wurde.Was nun von weicher, fester thierischer Materie zurück-blieb, machte nur einen äußerst geringen Theil von demVolum der angewandten Niere aus. Eine gewisse Mengedavon war zwar, in zerriebenem Zustand, durch das Tuchgegangen, aber auch diese war nur unbedeutend. Hier-aus geht also hervor, daß diese Niere aus einer geringenMenge fester Substanz bestand, welche, gerade so wiees die vorhergehende Darstellung voraussetzt, viel Flüssig-keit eingeschlossen enthielt. Wir haben nun die Beschaf-fenheit der festen Materie und der darin eingeschlossenenFlüssigkeit zu untersuchen.

aJ Der Rückstand auf dem Tuch war farblos, faserigund im Aeufseren durchaus nicht vom Blutfaserstoff zu un-terscheiden. Im Trocknen wurde er gelb und durchschei-nend. Aether zog daraus ein Gemenge von Stearin undElain, fast ohne Spur von fetten Säuren, aus. Von Was-ser wurde er leicht erweicht und nahm dadurch sein vo-riges Ansehen wieder an. Sein chemiches Verhalten warfolgendes:

Durch langes Kochen schrumpfte er etwas ein underhärtete, und das Wasser hatte kaum eine Spur aufge-nommen. Von concentrirter Schwefelsäure wurde er nichtaufgelöst, aber auch nicht zersetzt; gelatinirte auch nicht