238 Verdauungsprozefs und seine Prodiictc.
In den beiden ersten Magen sammelt sich eine Flüs-sigkeit an, welche, nach der übereinstimmenden Angabemehrerer Chemiker, gelblich, dünnflüssig und von salzi-gem Geschmacke ist, und so viel kohiensaures Alkali ent-hält, dafs sie mit Säuren schwach aulbraust. Das gekaute,mit Speichel vermischte Gras oder Heu gelangt nun beimVerschlucken in die beiden ersten Magen, wo es von deralkalischen Flüssigkeit durchtränkt wird, die daraus all-rnählig Pflanzeneiweifs, Pflanzenleim, und was sonst nochdurch eine alkalische Flüssigkeit ausziehbar ist, daraus aus-zieht; dann Kielst die Flüssigkeit allmäldig aus diesen Ma-gen in den dritten, während aber das aufgeweichte Futterdurch die Muskelbewegung wieder in den Mund herauf-gebracht wird, wo es noch einmal gekaut und nun feinerzertheilt zu einer neuen Digestion hinuntergeschluckt, wird.Diefs nennt man das Wiederkauen. Alles was bei die-sem Umkauen fein genug wird, um mit der Flüssigkeit inden Blättermagen geführt zu werden, geht dahin, und dasübrige kommt wieder abwechselnd zum Umkauen herauf.
Die in dem Panzen und Netzmagen die Masse durch-tränkende Flüssigkeit ist von derselben Beschaffenheit. Sieist von Prevost und le Royer und von Tiedemannund Gmelin untersucht worden. Die ersteren prefstendie in den beiden ersten Magen befindliche Masse voneinem frisch getödteten Thiere aus, filtrirten die Flüssig-keit und dampften sie bei gelinder Wärme zur Trockneab. Die zurückbleibende Masse hinterliefs, beim Behan-deln mit Wasser, Eiweifs ungelöst, und bei einem ge-wissen Grade der Concentration gerann die abgedampfteFlüssigkeit zu einer Gelee, was sie einer dem Leim ana-logen Materie zuschrieben; es ist aber eine gewöhnlicheEigenschaft vom Eiweifs, wenn es bis zur völligen Sätti-gung in verdünntem kohlensauren Alkali aufgelöst ist, nacheinem gewissen Grad der Concentration beim Erkalten zugelatiniren und in der alkalischen Flüssigkeit unlöslich zuwerden. Sie fanden übrigens, dafs die Auflösung in derKälte weder von Säuren noch von Quecksilberchlorid ge-gefällt wurde, dafs es aber im Kochen mit letzterem der