Verdauungsprozefs und seine Producte. 231
ser letztere Versuch, den Tieclemann und Gmelin füreinen ferneren Beweis halten, dafs stickstoffhaltige Mate-rien das Leben besser unterhalten, als die nicht stickstoff-haltigen, beweist aufserdem auch, dafs selbst stickstoffhal-tige Materien nicht hinreichend sind, das Leben zu unter-halten, wenn die Nahrung nur aus einer einzigen Materieallein besteht. Was im Körper ersetzt werden mufs, istvon verschiedener Natur, und nicht Alles kann aus dem-selben Material ersetzt werden; es ist daher nothwendig,dafs die von einem Thiere verzehrten Nahrungsstoffe meh-rere verschiedene chemische Verbindungen enthalten; z. B.im Fleische sind Faserstoff, Eiweils, Zellgewebe, Fleisch-extract, Milchsäure und Salze enthalten, es bietet alsoeine Sammlung von Materialien zur Erzeugung von Pro-ducten dar, welche Faserstoff oder Eiweifs für sich alleinnicht hätten hervorbringen können. Die genannten Ver-suche beweisen also eigentlich mehr die Nothwendigkeit,dafs die Nahrung aus einem Gemenge von mehreren Ver-bindungen bestehen, als dafs eine davon Stickstoff enthal-ten müsse, so wahrscheinlich es auch ist, dafs auch derletztere unumgänglich nothwendig sei.
Der Mensch nimmt mit seinen Nahrungsmitteln, be-vor er sie verzehrt, eine chemische Behandlung vor. Siewerden gekocht, geröstet und auf' die mannigfaltigsteWeise vermischt und gewürzt. Die Kochkunst ist eben sogut eine Art angewandter Chemie, wie z. ß. die Pharma-cie; indessen ist sie seither von der Wissenschaft als ein zutrivialer Gegenstand für die Anwendung ihrer Lehren be-trachtet worden. — Ich kann mich nicht wohl davon über-zeugen, dafs durch die Kochkunst die Nahrungsmittel aufeine andere Weise an leichterer Verdaubarkeit und An-wendbarkeit bei dem Verdauungsprozesse gewinnen, alsnur so, dafs sie demjenigen, der stets an gekochte Nah-rung gewöhnt war, im rohen Zustande anfangs widrigund vielleicht schwer verdaulich sein würden. Der haupt-sächliche und eigentliche Endzweck der Kochkunst bestehtalso wohl darin, die Nahrungsmittel dem Geschmacksinneangemessen zuzubereiten.