172
Galle.
ragdgrüne, bitter schmeckend und von eigenem, ekelhaftemGerüche. Die Galle aus der Gallenblase ist durch aufge-lösten Gallenblasenschleim schleimig, und läfst sich nichtselten in Fäden ziehen. Bei den Säugethieren hat sie den-selben oder fast denselben Wassergehalt wie das Blutwas-ser: bei den Vögeln aber ist sie dünner, und bei den Fi-sehen zuweilen concentrirter. Sie gerinnt nicht beim Ko-chen. Das specifische Gewicht der Ochsengalle fand The-nard bei -j- 6° — 1,026.
Die Zusammensetzung der Galle ist schon lange einGegenstand der Untersuchungen der Chemiker gewesen.Ihre Eigenschaft, beim Schütteln zu schäumen und durchSäuren gefällt zu werden, indem sich daraus eine harzar-tige Substanz abscheidet, veranlafste ältere Chemiker, die-selbe für eine seifenartige Verbindung von einem harzar-tigen Körper anzusehen. So lange diese Meinung herrschte,suchte man darnach alle Wirkungen der Galle im Körperzu erklären. Fourcroy bemerkte, dals Alkohol aus derGalle eine Materie fälle, die er für Eiweifs ansah, undPowell suchte zu zeigen, dafs die Galle die Eigenschafthabe, das Gerinnen von damit vermischtem Eiweifs zuverhindern. Thenard erfand nachher eine neue Methodedie Galle zu analysiren, indem er sie zuerst mit einemwenig basischen und hernach mit einem vollkommen ba-sischen essigsauren Bleioxyd fällte, wodurch er aus der-selben mehrere neue Bestandtheile, besonders einen zuk-kerartigen Stoff, auszog, den er, wegen seines zugleichsüfsen und bitteren Geschmacks, Picromel nannte. Der-selbe analytische Weg wurde nachher von Chevreul,Chevaliier und Lassaigne» ohne besonders bemerkens-werthe neue Beobachtungen eingeschlagen, bis zuletzt Leo-pold Gmelin, bei den mit Tiedemann gemeinschaft-lich angestellten Forschungen über den Verclauungspro-zefs, eine Analyse der Galle lieferte, die gewifs die aus-führlichste und beste Untersuchung ist, welche bis jetztdie tbierische Chemie aufzuweiseu hat. Gmelin’s Fufs-tapfen betraten nachher mit Erfolg auch FTommherzund Gugert.