Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

Gehirn und Rückenmark.

mit heißem Alkohol klebt es zusammen und sieht wieweifses Wachs aus, läßt sich aber nach dem Erkalten wie-der zwischen den Fingern zu Pulver zerreiben. Bei -f-100° gibt es etwas Feuchtigkeit ab; bei etwas höhererTemperatur entwickelt es schwache Spuren von Ammo-niak; bei -j- 160° wird es gelb; bei -j- 170° klebt es sostark zusammen, daß es an dem Körper, womit man esumrührt, hängen bleibt; bei -j- 180° wird es braun, fastschwarz, aber selbst noch nicht bei -J- 200 ° flüssig, sondernriecht dann nach gebranntem Fett, entzündet sich bei eini-gen Graden darüber und brennt dann wie Fett. In kaltemWasser schwillt es etwas auf und wird bis zu einem ge-wissen Grad durchscheinend. Kalter, selbst ganz concen-trirter Alkohol löst es nicht auf; heißer dagegen nimmtsehr viel davon auf. Eben so verhält es sich mit Aether.Von Salpetersäure wird es gelb, harzartig und etwas fet-tig anzufühlen. Das Product ist in Ammoniak unlöslichund enthält keine Spur der eigenthümlichen Säure, die sichunter gleichen Umständen aus Gallensteinfett erzeugt.

Das Hirnfett unterscheidet sich von anderen Fettartenwesentlich durch sein Verhalten zu Alkali und durch seineZusammensetzung. Vauquelin fand, daß sich wederdas Stearin, noch das Elain mit Alkali vereinigen lassen,selbst nicht wenn man dieses ganz concentrirt anwendet.Kühn jedoch erhielt aus dem Gehirn ein weniger consi-stentes Fett, welches sich verseifen ließ. Diese drei Fett-arten enthalten außerdem Phosphor, ein Umstand, derzuerst von Vauquelin entdeckt wurde, welcher fand,daß bei ihrer Verbrennung eine nicht einäscherbare Kohlezurückblieb, die so viel Phosphorsäure enthielt, daß dieseden zur Verbrennung nölhigen Zutritt der Luft verhin-derte. Nach Ausziehung der Phosphorsäure mit Wasser,brannte die Kohle wieder bis zu einem gewissen Grad,und hörte dann bald wieder auf. Sie war dann wiedersauer geworden und röthete feuchtes Lackmuspapier. Die-ser Umstand zeigt, daß die Kohle den Phosphor in einernicht flüchtigen Verbindung und auf eine in der unorga-nischen Natur bis jetzt noch unbekannte Weise enthalte.

Der