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Hofrath. Freilich —
Gcheiinerath. Wo die Gutmüthigkeit fehlt, fehlt die ver-bindende Milde, die alle Brandungen des Lebens bricht. OhneGutmüthigkeit — wird Verschiedenheit der Meinungen Hader —eine nöthige Beachtung artet aus in Mißtrauen; Schwermuth wirdTrübsinn, Festigkeit — Eigensinn; Ernst wird Grämlichkeit, dasNachdenken ein dumpfes Brüten; aus Zurcchtweisen wird Recht-haberei, aus weislicher Sorgfalt — Kundschafterei. Das Gesichtbehält keinen Zug der Unbefangenheit, auf der Stirn thront ewi-ges Murren, jedermann soll glücklich sehn — aber nur auf vor-geschriebene Weise und nach gegebenem Maß und Ziel. — Diesehäusliche Intoleranz — beschönigt von allen Sophistereien desVerstandes — nagt, zerrt, reißt, bohrt und gräbt an jeder frohenMinute, hat mich um die Lust und Liebe am Leben, um allenWillen, alle Eigenheit und Laune gebracht, daß ich nur fortathme,nicht lebe. Dabei bin ich wahrhaft geliebt, und wahrhaft — lerwirft sich in einen Sessel) der armseligste Kerl auf dem Erdboden.
Hofralh. Wenn freilich alles so ist —
Gr heim erath. Lebe einen Tag ganz mit mir — wennDu das Herz dazu hast, so wirst Du das Bild, das ich Dir gege-ben habe, in jeder Stunde vor Dir sehen.
Hosrath. Aber ist es nicht Deine Schuld, daß es so weitgekommen ist?
Echcimcrath. Ja, mein Freund I In Liebe und Geduldhabe ich die Vernunft gefangen gegeben — ich habe nicht den Mnthmeine Fesseln zu zerbrechen, weil ich die Existenz meiner Fraudamit zernichten würde — so beiße ich denn in die Kette, diemich zäumt, und — bitte ehrliche Freunde, daß sie mich streicheln,wenn ich schäume.
Hofrath. Armer Sternberg I