219
Marie. Vater! (Umfaßt seine Kniec, reicht die andere Hand derMutter.) Mutter!
Frau Zaaicr. Steh auf —
Marie. Mein Erröthen, mein Gram — meine Liebe, meinWille, hier Gutes zu geloben, wirft mich nieder — denn wiekönnte ich an Ihrem Busen seyn, wie könnte ich die Narbe ansehen
— die Sie einst aus Liebe für mich empfingen — meine Thränenwerden sie brennen machen — — hier mögen sie in den Staubfallen, und von niemand geachtet seyn. Vater, Sie sind so gut
— sehen Sie mich härter an, ich bitte Sie.
Frau Zaaicr (hebt sie auf). Sag mir auf Dein ehrlichesGewissen, hast Du Gutes vor?
Marie. Ach ja!
Zelbert. Kannst Du Lechner vergessen?
Marie. Ja, denn ich muß ihn verachten.
Zelbert. Gewiß?
Marie. Bei dem Andenken meiner Mutter, es ist wahr!Zelbert. So bin ich ganz mit Dir zufrieden. Umarmemich —
Marie. O wie wohl, wie frei, wie selig ruhe ich an IhremHerzen, da ich vor Ihnen, kein Gehcimniß mehr habe! Bin ichIhnen auch wieder lieb, Mutter?
Frau Zaaicr. Du hast recht ungehorsam gehandelt, recht!Aber wegen — nun — (Zieht sie an sich, und Marie küßt sie.)
Marie. Mutter, ich wills verdienen — Ach mein Vater,eine Bitte —
Zclbcri. Rede, mein Kind —
Marie. Etwas, das mir Stärke und Muth gebenwird — nennen Sie mich bald einmal wieder Ihre liebeMarie —