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Pastor. Gute Frau — veraltetes Vorurtheil ist nicht Ge-wissen. Wer Eigensinn Religion nennt, versündigt sich.
Gticrsörstcri». Versündigen —
Pastor. Auf Alles, was Aelternliebe thun kann, haben Sieihr einmal Anspruch gegeben. Sie können sie jetzt ganz glücklichmachen — und wollen cs nicht. Bedenken Sie die Folgen. Ver-bieten Sie die Heirath — so muß Friederike ans dem Hanse.
Bbcrsorstcrin (gerührt). Wenn es dahin kommen sollte —so soll cs ihr doch an nichts fehlen.
Pastor. An nichts fehlen? — O wir sind arme Menschen,wenn man uns das Bedllrfniß unseres Herzens nimmt! Ihr Sohn?— der junge Mensch ist heftig, Sie entreißen ihm ein tugend-haftes Mädchen, das er innig liebt. Sie sind eine gute Mutter.Wollten Sie alles das auf Ihr Gewissen nehmen, wozu heftigerSchmerz den Jüngling verleiten könnte?
Vb crsö rstcrtn (die Hände ringend). Ach Gott, wie quälenSie mich!
Pastor. Nun, mnthig im Guten — Ihr Herz behalte dieOberhand, da die Vernunft ihm sagt, daß man Gott nicht ehrt,wenn man Menschenglück vernichtet.
Gticrförstcriil. Es thnt mir leid — es zerreißt mir dasHerz, ich weine vor Angst. Aber man muß seine Schuldigkeitthun, ohne Menschenfnrcht. Sie aber hätte ich für viel zu bravgehalten, als daß Sie sich von dem neumodischen Leichtsinn hättenhinreißcn lassen.
Pastor. Neumodisch? — Menschenliebe ist so alt, als dieReligion. — Sinn meine letzte Vorstellung. Sie sind alt — IhrSohn kann diese Heirath verschieben — wollen Sie ihn zwingen,von dem Tage Ihres Todes an sein Glück zu rechnen?
Gticrförstcriil. Will er so gottlos seyn — Gott mag esihm vergeben! — ich kann nicht anders.