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4 (1829)
Entstehung
Seite
378
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Z78 Hauptartikel christlicher Lehre,

be, Räuber werden nicht Erben des Reiches Gottes!" Wer aberGottesfurcht hat, er sei Herr oder Unterthan, der soll lernen dieNegierung als eine göttliche Gabe, in Demuth und von Herzenehren und lieben, wie gesagt ist, und Gott um Hilfe anrufen.

Der dritte Grad der Ehrerbietung ist: mit ziemlichen Re-genten Geduld haben; ob nun gleich etliche Gebrechen und Feh-ler in der Regierung sich .zutragen. Denn der Teufel und mensch-liche Schwachheit machen auch den frommen Regenten so vielVerhinderung, daß in großen und kleinen Regenten, Viel ver-säumet oder versehen wird. Und soll menschliche Weisheit nichtdenken, daß sie es allezeit treffen wolle, sondern glückliche seligeNegierung ist eigentlich Gottes Werk.

Wie Salomo spricht:17 t ovulus villeat, et aurls sulliat,Deus kaeit utrumgue." Daß das Auge sehe, und daß dasOhr höre, ist Beides Gottes Werk; d. i., daß der Regent gutenRath sehe und finde, und daß man ihm folge, und hindert'snicht, diese beiden Stücke wirkt Gott. Als, daß Augustus einweiser Regent ist, und daß ein solcher schwacher Mann feine Auc-toritat, und einen Gehorsam erhalten kann, ist Beides GottesWerk. Nun hat es Augusts auch oft gefehlet; er hat nicht alleSachen hören oder ausfechten können; so ist eine Zeit gelinderdenn die andere. Darum sollen wir Unterthanen Geduld haben,uns nicht empören wider ziemliche Regenten, wie Absalon widerseinen Vater, obschon etliche Dinge nicht ganz gleich zugehen, wiewir unsers Vaters und Mutter Gebrechen zu tragen schuldig sind.

Zu dieser Lehre wird angezogen das Epempel der SöhneNoah; Ham ward verflucht darum, daß er seines ehrlichen Va-ters spottete; aber ire andern zwei, Sem und Japhet, die denVater deckten, sind gesegnet worden.

So ist oft geboten, Andern ihre Gebrechen zu vergeben, dieSchwachen zu tragen, welches vornehmlich in der Regierung vonNöthen ist, daß nicht ohne große nöthige Ursachen Aufruhr undKrieg erreget werden, wie oft geschehen ist. Eben davon sagtSt. Petrus:Man soll den Herren gehorsam sein, ob sie gleichnicht allezeit freundlich handeln."

Und St. Paulus spricht:Die Liebe ist das Band, dasdie Leute zusammen halt;" welches nicht anders möglich ist, denndurch die Tugend, die man nennet: Epiikia, d. i.: Gelindigkeitund Geduld, Anderer Sitten und Gebrechen zu tragen, besondersSolcher, neben welchen du regieren sollst; wie Kyros den argwöh-nischen KyaxareS duldete und sähnete, Fabius seinen Gesellen Mi-