Druckschrift 
4 (1829)
Entstehung
Seite
370
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Z70 Hauptartikel christlicher Lehre,

walt einbri'cht, den man nennet: Grassatvr, der ist dem Räuber !gleich zu achten.

Daß aber der Richter gegenwärtige vernünftige Gesetze hal-ten soll, wird bewiesen aus diesem Grunde: Denn ein Jederist schuldig, seiner Obrigkeit unterthan zu sein. Nun ist daSGesetz vornehmlich die Obrigkeit, wie oben gesagt ist vom Unter-schiede der Person und des Amtes. Also haben auch Joseph,Daniel, in heidnischen Königreichen, nicht nach dem Gesetz Mö-sts Erbschaft gerheilct, u. dgl., sondern nach dem Recht, das in idenselben Königreichen angenommen war.

Daß auch Ungleichheit solcher Gesetze das Evangelium Nichtsangehet oder betrifft, kann ein Jeder richten, der verstehet, daßdas Evangelium nicht neue weltliche Reiche oder Politias anrich-tet, sondern bringt Gnade, und ein neues Licht von Gott in dasgläubige Herz, und fängt an in der Sele einen neuen Gehorsamund ewiges Leben, Gottesfurcht, Vertrauen auf Gott, Geduld ,u. s. w. Und will, daß der Leib im äußerlichen bürgerlichen Le-ben helfe dienen zu gemeinem Nutz, wie ein Jeder in Regimen-ts» berufen ist; gleich wie du mußt so langen Tag, und so langeNacht haben, als sie sind im Lande, darin du wohnest. Davonist oben genug gesagt im Artikel: Was das Reich Christi sei? !item, von christlicher Freiheit. ,

Die dritte Regel: Wissentlicher Ungehorsam gegen die welt-liche Obrigkeit, und wider rechte oder ziemliche Gesetze, ist Tod-sünde; d. i. solche Sünde, die Gott mit ewiger Verdammnißstrafet, so man in selbigem wissentlichen Trotz endlich verhar-ret. Es kann auch nicht Glaube an Gott zugleich im Herzensein und ein solcher Vorsatz, wider öffentliche Gottes Gebote zuhandeln.

Die dritte Regel setze ich darum; denn viele Phantasten ha-bengeschrieben: Weltliche Gebote verbinden nicht zu ewiger Strafe;denn der Mensch kann Niemanden ewiglich strafen! Solche Phan-tasien findet man bei den Sententiariis. Gott hat die Welt denNegimenten unterworfen, und straft Ungehorsam ewiglich, dcr-halben, daß sein göttliches Gebot muthwillig übertreten und ver-achtet wird, welches spricht:Du sollst deiner Obrigkeit gehör- tsam sein."

Und ist diese dritte Regel klar ausgedrückt in St. Paulo,Nöm. 13:So seid nun aus Noch unterthan, nicht allein vonwegen der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen." Dassind klare Worte, daß der Gehorsam nöthig sei; item, daß der