Z48 Hauptartikel christlicher Lehre,
von St. Paulo mit lieblichen Worten gepriesen, da er sprichtGai. 3: „Das Gesetz ist unser Zuchtmeister gewesen, uns zuChristo zu leiten und zu weisen;" d. i., die Cerimonien und an-dere Zucht hat uns Erinnerung gegeben, und angehalten zu ler-nen, daß wir zu rechter Erkenntniß Christi kommen sollten.
Dahin soll auch bei uns die Zucht gerichtet sein, daß mandadurch das Volk zu rechter Lehre des Evangelii, durch welchesder heilige Geist wirket, enthalten könne; denn wo keine OrdnungNoch Zucht ist, da kann man das Volk nicht lehren.
Aus diesem Unterricht ist klar zu verstehen, wie, ausgeschlos-sen die Jrrthümcr, welche ich in der andern Regel erzählet habe,-etliche nützliche Cerimonien zu guter Ordnung zu halten sind.
Von Tödtung des alten Adams, und erwählterUebung.
Unsere Widersacher wollen die Menschensatzungen und Mön-cherei schmücken mit der ernsten Predigt von Geduld in Leiden,und von wahrhaftigem Schrecken vor Gottes Zorn, welches Lei-den und Schrecken St. Paulus nennet: Tödtung des alten Adams.Als Rom. 12: „Begebet eure Leiber zum vernünftigen Opfer."2. Kor. 4: „Wir tragen das Sterben des Herrn Jesu Christian unserm Leibe." Item, Rom. 8: „So ihr die fleischlichenWerke mit dem Geist tobtet, so werdet ihr leben."
Hier ist nun zu merken, daß großer Untersch'cd ist zwischendieser Tödtung, davon St. Paulus saget, und zwischen erwähl-ten menschlichen Uebungcn. Denn Tödtung des alten Adamsheißet: Geduld in Leiden oder Kreuz, oder ernstliches Erschreckenvor Gottes Zorn wider die Sünde. Diese Geduld ist von Gottgeboten, und nöthiger Gottesdienst in allen rechten Christen, undist dcrhalben Gott gefällig, wie der Spruch im 51. Psalm sagt:,/Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, einbetrübtes Herz wirst Du, Gott, nicht verachten!"
Weiter sind gebotene Werke: ziemliche Mäßigkeit im Essenund Trinken; gebührliche Arbeit; den Leib im Zaum halten,auf daß er nicht geil werde. Denn das ist ganz gewiß, und mußfolgen: wo sanfte Ruhe, Müßiggang, Bankettiren, und viel Es-sen und Trinken ist, da wird man wild, vergisset die AnrufungGottes, und suchet Wollust, wird entzündet mit unordentlichenBegierden und Flammen. Dazu ist öffentlich, daß man nichtbcten, studiren, oder große Sachen betrachten, oder auswarten