Z46 Hauptartikel christlicher Lehre,
menschlichen Cerimonien nicht halten, daß sie ihren vielfältigenJrrthum bestätigen.
Wie der Unflath Pygius schreibet: Es sei einem Priesterviel eine größere und schrecklichere Sünde, ehelich werden, dennUnzucht wider Gottes Gebot treiben; und pranget sehr, wie einschönes, löbliches Ding es sei, der Kirche Gehorsam und Einig-keit zu halten. Ist aber nicht diese Rede des Pygius eine un-christliche, epikurische, schändliche Rede? Aber mit diesen gleißen-den Farben lernen jetzund unsere Widersacher ihre Heuchelei, Ty-rannei und Unzucht schmücken. Darum ist's ohne Zweifel recht,daß wir dagegen reden, schreiben, und Exempel rechten Bekennt-nisses und Lehre anzeigen. Aber vor solchen Exempeln soll manzuvor Unterweisung geben von der Lehre, vom Glauben an Chri-stum, von rechten Gottesdiensten und von Freiheit in menschli-chen Cerimonien.
Die dritte Regel: Die vorigen zwei erzählten Regeln stra-fen Jrrthum, und unterweisen das Gewissen, daß cs nicht mitStricken gefangen, oder mit Unrechten Gottesdiensten verblendetwerde. Daraus folget aber nicht, daß gar keine Ordnung seinsolle, sondern dieß soll man hier auch wissen, und sonderlich demjungen und groben Volk wohl einbildcn, was St. Paulus 1.Kor. 14 gesprochen hat, man solle in der Kirche Alles mit Zuchtund guter Ordnung halten.
Wie nun in einer Schule bestimmte Zeit Lectiones undUebungen sind, also sind allezeit von Anfänge der Welt bestimmteFeste, Lectiones und etliche mehrere Cerimonien und Geberden vonMenschen eingesetzt, doch nicht widerwärtig göttlichem Gebot, inGottes Volk gehalten worden. Als, so man einen Segen überJemand in der Weihung, oder sonst, gesprochen, hat man ihmdie Hände auf sein Haupt gelegct; diese Gewohnheit haben ge-halten Jakob, Moses und hernach die Priester, Christus unddie Apostel, und bleibet noch in der Weihung.
Und nachdem zwischen menschlicher Natur und den Bestiendieser Unterschied ist, daß der Mensch Vernunft hat, und zu gu-ter Ordnung geschaffen ist, und derhalben von Gott dieses Lichthat, daß er Ordnung verstehet, sollen wir nicht ohne Ordnungleben, wie die wilden Thiere; dazu kann nicht Friede sein, wonicht Ordnung ist. Darum sind Feste, als der Sonntag undandere Feste mehr, eingesetzt, daß das Volk wüßte, zu welcherZeit es zusammen kommen sollte.
Won solchen Mitteln Cerimonien ist dieses zu wissen, daß