46 Hauptartikel christlicher Lehre,
the Gottes, und großer Barmherzigkeit gegen uns, und um un-sert willen geordnet worden.
Aus diesem Grunde kann ein gottesfürchtiger Mensch ver-stehen, daß man die Sprüche vom Wesen unterscheiden muß vonden andern Sprüchen, welche von dieser Zeit des Dienstes undder tiefen Demuth reden, damit Er uns aus großer Liebe gedie-net hat; und merke den Spruch Jrenäi wohl, den wir drobenangezogen haben: Christus ist gekreuziget und gestorben: Huies-oenta verdo, d. i.: und göttliche Natur in Ihm hat stille ge-halten, daß Er leiden und sterben möchte, d. i.: göttliche Naturist in diesem wunderbarlichen Rathe dem Vater unterthan undgehorsam gewesen, und hat stille gehalten, ihre Macht nicht erzei-get und nicht gebraucht.
Und stimmet dieser schöne Spruch Jrenäi mit dem Sprucheim St. Paulo: „Er hat sich gedemüthiget u. s. w."
Man fraget auch: Wie hat Christus können Angst undSchrecken haben, so Er doch seinen Vater allezeit angeschauet hak,und selig gewesen ist? Diese und viel dergleichen Fragen sinderreget von sichern Leuten, die diesen wunderbarlichen Rath Got-tes, daß sein Zorn hat auf den Sohn sollen ausgegossen werden,nicht betrachtet haben. Und ist die Antwort richtig wie zuvor:mache Unterschied der Zeit, der Erniedrigung und Erhöhung. Dennwiewohl der -Herr allezeit selig gewesen, so ist er doch geordnetgewesen zum Opfer, und eine Zeit den Zorn zu tragen. Darumhat das Licht göttlicher Freude nicht allezeit gleich in Ihm geleuch-tet, und wie der Leib hat diesclbige Zeit die Wunden und Schmer-zen fühlen können, also hat auch die Sele Schrecken und Angstgefüllet, viel tiefer, denn kein andrer Mensch, und kein Engelgedenken' kann. Die große Angst hat den Blutschweiß getrieben,und die tiefe Klage: „Ach Gott, Gott, wie hast du mich ver-lassen !"
Darum spricht der Text zu den Hebräern Kap. 4: „Wirhaben nicht einen hohen Priester, der nicht mit unsrer Schwach-heit kann Mitleiden haben, sondern Er ist versucht in Allem unsgleich, doch ohne die Sünde. Darum sollen wir vor diesen Thronder Gnade mit gutem Vertrauen kommen, daß wir Barmherzig-keit, Gnade und Hilfe erlangen."
Dieser Text erinnert uns, daß wir nicht vorwitzige Fragensuchen, sondern das große wunderbarliche Leiden des Herrn alsoanschauen, daß wir erstlich darin Gottes Zorn wider unsere Sündemerken, und auch selbst erschrecken, darnach, daß wir die große