42 Hauptartikel christlicher Lehre,
Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen;" spricht nicht:zwischen Gott und den Teufeln.
Also sollen wir wissen, daß dieser Mittler uns MenschenVergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewige Seligkeit verdie-net hat. Dabei müssen wir weiter wissen, wie wir diese seineWohlthaten erlangen, nämlich, durch den Glauben, nicht durchunsere eigenen Verdienste, sondern du sollst erkennen, daß du sün-dig bist, und sollst vor Gottes Zorn erschrecken, und dagegen andem Sohne Gottes Trost suchen, und festiglich glauben und schlie-ßen, daß dir um dieses Mittlers willen deine Sünden gewißlichvergeben sind, ohne deine Verdienste, gratis, und daß dir die-ses Heilandes Gerechtigkeit zugerechnet wird durch den Glauben,und so du also an Ihn glaubest, hast du wahrhaftiglich Verge-bung der Sünden, Zurechnung der Gerechtigkeit, und wirket derSohn Gottes in dir neuen Gehorsam und Gerechtigkeit, gibt denheiligen Geist und Erbschaft der ewigen Seligkeit. Von dieserErlangung und Application der Wohlthaten des Mittlers wirdhernach gesagt werden im Artikel von Vergebung der Sünden undGerechtigkeit. Hier ist allein die Erinnerung gesetzt, daß man be-trachte, wozu dieses große wunderbarliche Werk geschehen sei, daßder ewige Sohn Gottes menschliche Natur an sich genommen hat.
Hier' spricht dein Herz: Hat denn die Erlösung nicht an-ders können geschehen? — Von dieser Frage werden wir die gött-liche Weisheit erkennen nach diesem Leben. Dennoch soll dieseBetrachtung hier anfangen. Und wiewohl wir solches nicht er-gründen können, so sollen wir dennoch dieses daraus lernen, daßgöttliche Gerechtigkeit einen großen grausamen Zorn hat wider dieSünde, und will den Teufeln die Sünde in Ewigkeit nicht ver-geben. Adam hat auch nicht anders denken können, da ihn Gottangeredet und gestraft hat, denn daß er ewiglich verdammet sei,bis er die Verheißung gehört hat: „des Weibes Same wird derSchlange den Kopf zertreten," und ist wiederum getröstet undaus der Hölle errettet worden.
Und ist dieser große und gerechte Zorn wider des MenschenSünde nicht ohne eine gleichwürdige und bessere Bezahluug ver-söhnet, damit gleichwohl die Gerechtigkeit Gottes nicht ausgelö-schct würde. Und sind beide hohe Tugenden in diesem Werke,Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Der Sohn bittet für das mensch-liche Geschlecht, aus großer Liebe gegen menschliche Natur, undaus Barmherzigkeit. Die göttliche Majestät nimmt auch den Men-schen an aus großer Barmherzigkeit. Damit aber dennoch die