Antwort der Fragstückc von kaiserl. u. päpstl. Gewalt. 235
aber nicht also, sondern welcher groß sein will bei euch, der soll^ euer Diener sein, und welcher der Erste sein will, soll Aller Knechtsein. Denn des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß manIhm diene, sondern daß Er dienen will, und seine Sele gebenzur Bezahlung für Diele." Luk. 12: „Wer hat mich zum Rich-ter oder Erbtheiler über euch gesetzt?" 2. Kor. 10: „Die Waf-fen unsrer Ritterschaft sind nicht leiblich, sondern kräftig durchGott, und nehmen gefangen Aller Gedanken unter dem Gehor-sam Christi." 2. Kor. 1: „Wir sind nicht Herren über eurenGlauben, sondern wir sind Mitdiener zu eurer Freude." 2. Kor. 3:„Das Evangelium ist ein Amt, dadurch der heilige Geist gege-ben wird;" in welchen Worten klar unterschieden werden welt-liche Regierung und das Evangelium. Die weltliche Regierungmacht Ordnung vom leiblichen Schutz und äußerlichen vergäng-lichen Sachen und Gütern; aber das Evangelium bringt einneues Licht und Leben in die Sele.
Aus diesen und dergleichen vielen Sprüchen ist ganz gewißund öffentlich, daß die Apostel, Bischöfe, Prediger des Evangeliiganz und gar keinen Befehl von Christo empfangen ha-ben, weltliche Hoheit, Kaiserthum, Königreich oder Fürstenthumeinzunehmen, oder zu geben, wem sie wollten, oder Kaiser, Kö-nige und Fürsten zu setzen oder zu entsetzen; ja vielmehr ist ih-nen dieses Alles verboten.
Zu Petri und Pauli Zeiten sind zu Nom grausame, un-fläthige Kaiser gewesen, Claudius und Nero; die hat Gott durchandere Wege gestraft und tödten lassen. Die Apostel haben sienicht entsetzt; sie haben auch hernach mit der Succession undWahl Nichts zu thun gehabt, wie auch die andern Apostel undBischöfe in andern Königreichen, als zu Babylon und in Par-thia, die den Römern nicht unterthan waren, keine Veränderungder Hoheit gemacht haben.
Aus diesem Allen ist klar, daß aus göttlichem Recht derPapst keinen Befehl und Auctorität hat, Kaiser oder Könige zusetzen oder zu entsetzen, und daß die Ölvmvntina, p-wtoralia undOonstitutio Lonikaoii öffentliche, greifliche, schädliche Lügen sind;denn sie sprechen, der Papst habe solche Auctorität aus dem Be-fehl Christi.
Dem löblichen Fürsten Rudolph, Herzog zu Sachsen undSchwaben, der bei Merseburg verwundet und in der Kirche zuMerseburg begraben ist, hat der Papst eine Krone gesandt, daraufdiese Worte geschrieben waren: