224 Bedenken vom Synodo und von Bündnissen.
lentiain suporiorin potoatatis *) recht ist; denn das Evangeliumvertilget nicht weltliche Ordnung, den Rechten gemäß.
Nun haben die kur- und fürstlichen Häuser, Sachsen, Bran-denburg, Hessen, die Erbeinigung; die sollen sie billig in dieserSache auch halten; und ist Treu' unter ihnen, so achte ich, daßsie zu der Defension nicht neuer und fremder Bündnisse bedür-fen; so verstehe ich auch nicht, was sie für neue Bündnisse ma-chen wollen. Denn ich achte, daß die Städte in Sachsen, Schwa-ben und am Rhein, so viel im vorigen Krieg gelernt haben, daßsie der Religion halben keine Berbündnisse machen werden; achteauch, daß Pommern, Herzog zu Lüneburg, Fürsten zu Anhalt zukeinem Bündniß sich bereden lassen. So ist weiter die Fährlich-kcit zu betrachten: so ein stark Bündniß gemacht wäre, möchteEiner oder Zwei einen unnöthigen Krieg anfangen, und hernachmüßten die Andern folgen, ob man gleich hätte mögen stille sitzen.
Nun sind Etliche, die diesen Anfang geringe achten, so dochzu besorgen ist, so ein Krieg würde, daß das ganze deutsche Reichgeändert würde, und es würden sich die Kur - und Fürsten her-nach selbst durch einander schlagen, und sich an fremde Herrschaf-ten hängen, Etliche an Frankreich, Etliche an Burgund, Etlichean den Türken u. s. w. Und in Summa: es ist in dieser Sachekein Ende zu sehen.
Man bedenke doch den vorigen Krieg im 1547. Jahre, wennGott nicht ein solches gnädiges Ende gegeben hätte, was gcfolgekwäre! Denn so diese Herren, Sachsen, Würtemberg und Hes-sen Sieg gehabt hätten, wären sie gewißlich selbst in einander ge-fallen, und wäre eine ganz grausame Zerstörung und Veränderungin Deutschland erfolgt, die Gott gnädig zu dieser Zeit abgewen-det hat. Uebec das Alles, so sind die Kur- und Fürsten undStädte also mancherlei Weise uneinig, daß ich nicht denken kann,daß sie Bündnisse mit einander machen können; werden sie auchkeiner Hauptmannschaft vergleichen können. Es wird Keiner denAndern stärken wollen, es wird auch Keiner dem Andern dasGeld in die Hand kommen lassen, wie im vorigen Kriege die Her-ren klagten, Einer brächte mehr Geldes zu sich, denn der Andere.
Daß man aber spricht: Sollen wir denn also sitzen und ge-wartcn, bis Einer nach dem Andern verjagt werde? dagegen istdieses, daß ein Friede im Reich ausgerichtct ist, den kais. Majestät
*) Ncthwcndigc Vcrtheidigung wider Unrechte Gewalt, auch wider
offenkundige Gewalt der Obmacht.