156 Bedenken von Freistellung der Religion.
die Kur- und Fürsten dieß Theils sich vernehmen lassen, daß ihrGemüth nicht sei, der Kurfürsten Hoheit und die Bisthümer zuzerreißen, sondern wollten am liebsten, daß die Bischöfe christli-che Lehre annähmen und pflanzten, und selbst ihre Jurisdiction,Kirchen, Oonsistorin und Schulen christlich bestelleten.
Ich lasse mir auch gefallen, daß sie darauf arbeiten, daßder Artikel mit solchen Worten gemacht werde, wie das kurfürst-liche Bedenken meldet, nämlich, daß, so ein Bischof unsere Lehreannehmen würde, sollte er in der Administration bleiben, und dieKirchen recht bestellen, sollte aber die Election und Stistgüter rc.nicht verändern.
So aber dieß Bedenken nicht erhalten würde, mag man denandern Weg, nämlich von der Suspension auf ein Nationaleon-vilium oder Lolloguium, oder auf einem andern Reichstag ver-suchen, daß doch mit der Zeit Friede geboten würde.
So dieser Weg von der Suspension auch nicht erhaltenwird, bedenke mein gnädigster Herr, der Landgraf, den drittenWeg, nämlich: daß der Artikel also gestellet würde, daß wir dochnicht billigen, daß den Bischöfen und ihren Landen das Evan-gelium verschlossen werde. So dieser Weg zu finden möglich ist,mag man davon weiter reden.
Ich achte aber, so der Kaiser, Könige und die päpstlichenFürsten auf ihrer Restriction bleiben, daß dieser Theil Nichts da-gegen thun könne, denn daß eine förmliche Protestation gestellctund vorgcbracht würde, nämlich, daß sie diesen weltlichen Friedenhalten wollen, daß auch ihr Gemüth nicht, der Kurfürsten Ho-heit und bischöflichen Stand und Güter zu zerreißen; aber daßden Bischöfen und ihren Unterthancn das Evangelium verschlossensein sollte, bezeugen sie, daß sie diesen Punkten, die Lehre belan-gend, nicht willigen, wie denn keine Kreatur, Jemandes Erkennt-Niß des Evangelii verbieten soll; denn dieß ist Gotte- ewigerunwandelbarer Wille, daß man seinen Sohn hören soll, wie ge-schrieben stehet: liuno nullito; item, Osoulamini jillum; item,sperrte portL8, prinoipes, nicht: vlanclits *).
Zu Speier, im Reichstag Anno 1529 ist eben diese Dis-putation vorgefallen; denn diese bischöfliche Kur- und Fürsten undBischöfe den Abschied mit diesen Worten gestellet hatten: Es sol-
*) „Den sollt ihr hören!" (Matth. 17, Z.) — Ferner: „Küssetden Sohn!" (Psalm 2, 12.) — Ferner: „Machet die Ahore weit,ihr Fürsten!" (Ps. 7.) — nicht: Schließet sie!