Bon der Gerechtigkeit des Glaubens. 141
Lerz höret, baß Gott wolle gnädig sein, da fraget es, wohersolche Gnade komme? Denn der Mensch weiß, daß Gott überdie Sünde zürnet, und seinen Zorn nicht fallen laßt, Ihm seidenn zuvor dafür genug geschehen, welches uns Menschen zuthun unmöglich ist. In solcher Anfechtung zeiget uns das Evan-gelium Jesum Christum, Gottes eingeborenen Sohn, derMensch geworden ist, und zeuget, daß der Mittler, Christus,habe die Bezahlung und Genugthuung für alle unsere Sünde er-füllet, und uns solche Gnade erworben. Denn Dieser ist, wieder Täufer Johannes spricht, das Lamm Gottes, welches fürder ganzen Welt Sünde geopfert ist, und Paulus saget 2. Kor.5: „Gott hat seinen Sohn, der von keiner Sünde wußte, zumOpfer für die Sünde gemacht, auch daß wir in ihm vor Gottgerecht würden; und Jcsaias saget: „Gott hat auf seinenSohn alle unsere Sünde geworfen; die Strafe liegt auf Ihm,daß wir Friede hätten."
Derhalben nennet Ihn Paulus unfern Gnadcnstuhl, daßEr uns solche Gnade erworben hat, und daß Gott allein in demSohne Gnade erzeigen will, wie solches auch in Mos. Exod. 25.durch den Gnadenstuhl bedeutet ist, und darum sprechen auchdie Apostel im Concilio Act. 15.: wir glauben, durch die GnadeJesu Christi, die Er uns verdient hat, selig zu werden.
Also machet uns Christus gerecht damit, daß Er unsereSünde trägt und also werden wir Gott aus Gnaden lieb in sei-nem geliebten Sohn. Dieß ist doch ein beständiger lebendigerTrost, darauf ein betrübt Herz mit Freuden bestehen kann, undsprechen: Gott in Ewigkeit sei Lob und Dank! nun weiß ich,daß ich einen gnädigen Gott habe und ein Erbe des ewigen Le-bens bin, denn solches hat mir mein Herr Jesus Christusbei Gott seinem Vater erworben, der um meinetwillen sich her-nieder gelassen, und in tiefer Dcmuth vor Gott des Vaters An-gesicht liegt und bittet, Er wolle mir gnädig sein und mich nichtverstoßen, wie die Teufel; und dieweil ich armer Wurm nichtvermag, meine Sünde zu bezahlen, nimmt Er sie alle von mirauf sich, und leidet den Tod für mich, wird also mein Erlöserund Mittler, Heiland und Gnadcnstuhl, um welches willen unddurch welchen ich habe bei Gott Gnade, Verzeihung der Sün-den, den heiligen Geist und das ewige Leben. Demselbigen ein-geborenen Sohne Gottes sei Lob und Preis in Ewigkeit.
Solchen großen Trost sollen wir uns vom Teufel nicht neh-men, oder verdunkeln lassen, damit daß Etliche nun sprechen: