Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
Seite
139
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Bon der Gerechtigkeit des Glaubens. IZg

Da sehe nun ein Jeglicher sich selbst an; wenn du da ste-hest vor Gottes Angesicht, wie David, wie der Zöllner, undwie der Schächer am Kreuze, ein elender Sünder, so bist dugerecht, nicht darum, daß du heilig bist, und daß die Gottheitin dir wohnet und wirket. Da mußt du nicht aufgaffen; denn duwirst derer keines bei dir befinden und wirst darüber verzweifeln;sondern sieh' mit dem Herzen das ewige Lamm Gottes, JesumChristum, an, der da hanget am Kreuze, ein Opfer für dieSünde und schreiet durch's Evangelium:Kommt zu mir, allearme Sünder, und glaube, daß dich Gott um dieses Opfers wil-len als gerecht annimmt, und schenket dir um Christi Todund Genugthuung willen Vergebung der Sünden, den heiligenGeist, und ewiges Leben, und alsdann, wenn dir die Sündevergeben ist, um Christi Opfer willen, dann, und damit bistdu vor Gott gerecht und angenehm, und Ihm gewißlich lieb,wie ihm sein eingeborener Sohn gewißlich lieb ist. Denn Alles,was Christus verdient und gethan hat, das ist nun dein ei-gen; mit dem Allen bist du bekleidet und geschmücket. Dieseraller höchste Trost kann durch die ganze Schrift gewaltig bezeu-get werden.

Diese Gerechtigkeit wird zustitia LvanAelii gencnnet, dar-um, daß sie nicht im Gesetz, sondern im Evangelio verkündigetund aus Gnaden geschenket wird- Sie wird auch genennet fu-8titia vei, nicht daß sie Gottes Wesen, oder göttliche Natur sei,sondern daß sie vor Gott gilt, und von Gott geoffenbacet undder Welt unbekannt ist, und Paulus machet damit Unterschiedzwischen der Gerechtigkeit guter Werke, die vor der Welt giltund zwischen Gerechtigkeit des Glaubens, der nicht vor der Welt,sondern vor Gott gilt; als: der Schacher am Kreuz ist vor derWelt nicht gerecht, sondern ein Missethater; aber vor Gott ister gerecht, das ist angenehm und selig um Christi willen.

Also wird diese Gerechtigkeit auch zustitia liäei genannt,darum, daß sie allein mit dem Glauben begriffen wird. Danielnennet sie ewig, su8titiam noternanr, nicht daß sie die wesentli-che Gottheit ist, sondern darum, daß sie von Ewigkeit in Got-tes heimlichem Nath beschlossen ist, und Christi Tod in Ewig-keit kräftig, und denen die Sünden vergeben sind, die haben ge-wißlich das ewige Leben, welches der Sohn Gottes selbst wirket,so Er das Herz im rechten Trost aus der Hölle reißet durch dasEvangelium, und gibt alsdann den heiligen Geist, dadurch dieBerneuerung angesangen wird, darin Gott Alles in Allem sein wird.