138 Predigt, gehalten zu Nürnberg über Rom. 3.
bcn, und uns gnädig annehmen, und Gerechtigkeit zurechnen,und dazu uns durch seinen Sohn Trost und Leben geben undaus der Hölle reißen, und heiligen Geist und ewiges Leben schen-ken Allen, die sich bekehren, und solche tröstliche Verheißung undGnade Gottes in Christo mit dem Glauben annehmen.
Dieses ist keines Moses Predigt vom Zorn Gottes über dieSünder, sondern ist eine Gnadenpredigt von Gottes Barmherzig-keit über alle Sünder, die sich bekehren; denn darin wird dasewige Leben verheißen nicht denen, die vollkommen und deß wür-dig sind, sondern den unwürdigen Sündern, und solches Allesaus Gnaden, und ohne eigenes Verdienst, allein um Christi,des Mittlers, willen, wenn man Ihm glaubet. Und diese Lehreist nicht in die Natur gepflanzct, wie das Gesetz, sondern allerNatur unbekannt, denn es ist Gottes heimlicher Rath, den Gott,Vater, Sohn und heiliger Geist, in dem Schooß des Vaters be-schlossen haben, darüber sich die Engel und alle Kreaturen verwundern.
Gott aber hat sie den Vätern und seiner Kirche geoffcnba-ret, und von Anfang durch viel Wunderthatcn und durch dieOpfer im Gesetz bezeuget, daß Er Alle, die an den Sohn, wel-cher ein Schuldopfer für die Sünde geworden ist, glauben, zuGnaden annimmt. Für solche gnädige Offenbarung sollen wirihm von Herzen danken, und bitten, Ec wolle dieses Licht undWahrheit bei uns erhalten und in uns kräftig machen.
Hieraus ist nun auch leicht zu sehen, was Gerechtigkeit desEvangelü ist, welche nicht stehet auf Werken, auch nicht istoriginalis zustitin, oder ««»entialis zustitla. Denn Paulusspricht: 8ino IvA« patskacta «st zustitin*). Er saget, es seieine Gerechtigkeit, gar und ganz ohne alles Zuthun des Gesetzes,und soll dies Wörtlein, «in« 1«A«, wohl gemerkt werden. Denndamit verwirft Paulus alle Mönchercien und alle Sophistereivon der wesentlichen Gerechtigkeit; sondern sustitia LvaiiAeliiheißet eigentlich Vergebung der Sünden, Zurechnung des Ver-dienstes Christi und Annehmung zum ewigen Leben, lauter ausGnaden und Barmherzigkeit Gottes, ohne alles unser Verdienst,allein um Jesu Christi willen der mit seinem Gehorsam unssolche Gnade erworben hat Allen, die es glauben, damit alleWege durch den Sohn der heilige Geist in die Herzen als einPfand unsecs Erbes geschenket wird, und folget neues Licht undrechte Früchte des Geistes.
Ohne das Gesetz ist die Gerechtigkeit geoffenbaret worden-