Bon dcr Gerechtigkeit des Glaubens. 137
die Sünde und ewige Regel, darnach das menschliche Geschlechtsoll regieret werden und leben.
Derhalben spricht er allhicr, daß das Gesetz in den Kirchennothig und nutz sei, nicht zur Gerechtigkeit vor Gott, sondern zurErkenntniß der Sünden, auf daß Aller Mund verstopfet werde,und die ganze Welt vor Gott sich schuldig erkenne. Also demü-thiget das Gesetz die Herzen und bereitet sie dem Herrn Chri-sto: denn ein geängstetes Herz ist Gott ein wohlgefälliges Opfer.Also spricht auch Moses zum Volk Israel, Exod. 20, daß dasGesetz darum mit so schrecklicher Weise geoffenbaret sei, daß uns Gottdamit prüfe, uns damit das Herz rühre und die Sünde offen-bare, daß wir Gott fürchten und nicht mehr sündigen.
Darum ist es offenbar, daß Niemand durch's Gesetz undAlles, was cs in sich begreifet, kann gerecht sein, und sollen dieChristen alle verführerische Lehren der Papisten, und auch die un-christliche Neuerung von der inwohncnden wesentlichen Gerechtig-keit Gottes fliehen, und Gottes Gesetz zu Erkenntniß ihrer Sün-den brauchen, vor Gottes Zorn erschrecken, nicht sicher dahin le-ben, sondern mit demüthigem Geist und seufzenden Herzen vorGolt treten und Gnade suchen.
Der andere Th eil.
Auf diese Lehre vom Gesetz soll in der Christenheit auchder rechte wahrhaftige Trost des Evangelii gelehret werden, daßdie armen erschrockenen Gewissen lernen, wodurch sie sollen Trosterlangen, und bei Gott Gnade und Gerechtigkeit finden. Darumspricht St. Paulus weiter: „Kuno sine lege patet'aot» estgustitirr vei in blvanAelio." Nun der Mensch durchs Gesetznicht kann gerecht werden, so wird im Evangclio von Jesu Christoeine andere Gerechtigkeit und ein anderer Weg zur Seligkeit,ohne Zuthun des Gesetzes, geoffenbaret. Der nun will selig sein,der soll die Gerechtigkeit nicht aus dem Gesetz suchen, sondern erglaube dem Evangclio; alsdann ist er gerecht aus Gnaden, umChristi willen, durch den Glauben.
Das Evangelium aber ist eine solche Lehre, die der Ver-nunft, auch den Engeln ganz verborgen gewesen, sondern dcreingeborene Sohn Gottes hat sie aus dem Schooß des Vatershervorgebracht und verkündiget, darin Gott verheißet, daß Er ausGnaden, umsonst, allein um Jesu Christi, seines lieben Soh-nes, unsers Mittlers, willen, will uns alle unsere Sünde verge-