136 Predigt, gehalten zu Nürnberg über Rom. 3.
werden, auf daß des Herrn Christi Erlösung desto herrlichergcpreiset werde.
Gleich also ist es auch offenbar, warum der Mensch nichtkann gerecht sein, originali et essentiali si,8titia; denn wie ge-sagt ist, dieß sind Gesehlehren, und es ist unwidersprechlich, daßwir si>8titiain originnlein verloren haben; denn ob gleich GottesBild durch den heiligen Geist in den Gläubigen verneuert wird,dennoch ist es unvollkommen, noch weit und ferne von ganzerErfüllung der Gesetze, und ist in keinem Wege die Gerechtigkeitvor Gott.
Die wesentliche Gerechtigkeit Gottes kann auch nicht unsereGerechtigkeit sein, denn diese arme sündliche Natur kann sie nichterdulden; sie ist ihr ein verzehrend Feuer, und kann vor ihr nichtbleiben: Deut. 4 und Psalm 130, und was die BarmherzigkeitGottes anlanget, wie Er barmherzig und gütig ist über die From-men, die seine Gebote halten, dieselbe haben wir verloren, undliegen Alle unter dem Zorn und unter der Sünde verschlossen.
Alle gute Herzen, wenn sie diese Ursachen betrachten undsich selbst prüfen, die befinden und sehen wohl, daß sie nicht ver-mögen durch das Gesetz, durch eigene Werke und Tugend, oderdurch die wesentliche Gerechtigkeit Gottes, gerecht sein, sondernsitzen und schreien in Angst und Demuth, wie Daniel: M»,Domine, zu8tltm, nobis nutem vonku8w kavier*). Item, siesprechen wie der Zöllner: „Ach Herr, sei mir Sünder gnädig;"item, wie der Hauptmann: „Ach Herr, ich bin nicht würdig, daßdu unter mein Dach gehest;" und endlich wie David saget: 1'ibitantum 8UIN pvccatum **). Diese Alle rühmen nicht ihre Wür-digkeit, oder einwohnendc Gottheit, sondern klagen mit großemJammer, daß sie voll Sünde und nicht heilig sind.
Ob nun wohl Keiner kann durch das Gesetz gerecht sein,so ist doch nun Gottes unwandelbarer Wille, daß das Gesetz inden Kirchen bleibe. Denn Christus spricht: „Ec sei nicht dazugekommen, daß Er das Gesetz austilge, sondern daß Er es erfülleund bestätige!" Also saget auch Paulus, er hebe mit der Gna-denpredigt nicht auf das Gesetz, verbiete auch nicht gute Werke,wie alle Welt das Evangelium lästert, oder mißbrauchet zu fleisch-licher Freiheit und Muthwillen, sondern er spricht dagegen, daßer das Gesetz bestätige, denn es ist Gottes ewiges Urtheil wider
*) Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen unS schämen!
*') An Dir allein Hab' ich gesündigt.