Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
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134
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134 Predigt, gehalten zu Nürnberg über Rom. 3.

Die Kirche Christi aber richtet viel anders: denn sie rich-tet nicht nach dem Licht der Vernunft, sondern allein aus Got-tes Wort, darin Gott seinen heimlichen wunderbaren Rath undWillen geoffenbaret hat. Also spricht allhier Paulus das Urtheil,da er saget: Es ist unmöglich, daß ein Mensch, wie er jetzt ist,nach dem Fall, aus den Werken des Gesetzes sollte gerecht wer-den. Damit stoßet Paulus alle philosophische Tugend, Mön-chereien, Werkheiligkeit, eigenes Verdienst, Gaben, Vermögen undAlles in Haufen, und spricht dürr und klar, daß der Mensch durchkeines derselben vor Gott gerecht sein kann.

Man soll aber fleißig merken, wo Paulus das Gesetz nen-net, daß er damit begreift nicht allein gute Werke und Tugend,sondern auch allerlei cingegossene und eingeschaffene und neue Wir-kungen und Gaben. Also ist's eine Gesetzeslehre, wenn die Mön-che sprechen: der Mensch sei gerecht per iutusam gratiam, durcheingeschossene Tugend und Frömmigkeit.

Also ist dieß auch allein eine Gesetzlehre, wenn man spricht:Der Mensch wird gerecht per inliabitantem essentialem Del su-stitiam, durch die wesentliche Gerechtigkeit Gottes, wenn die inihm wohnet und wirket. Item, Gerechtigkeit heißet, das unsmachet recht thun, sustitia est, guas ellieit nos susta kaeere.Eben also reden die Uliilosoplii: sustitia est liabitus ineliaansad revto aFenilum, Gerechtigkeit ist, das uns beweget und trei-bet, recht zu thun.

Die solches lehren, die zeigen nicht die Gerechtigkeit desEvangelii, sondern allein Gesetzlehren; denn im Gesetz ist Gottund Gottes wesentliche Gerechtigkeit abgemalet und geoffenbaret,wie Gott ist, gerecht, weise, gut, welches auch den Heiden be-kannt ist; denn Gott hat das Gesetz in Aller Herzen gepflanzet,welches von Gott und seinem Willen zeuget; viel mehr ist offen-bar, daß die Wirkung und Tugend, die durch die inwohnendeGottheit in uns angerichtet wird, in's Gesetz gehöret, und ist keinUnterschied zwischen dieser Opinion und der Mönche Lehre; denndie Papisten reden von den Wirkungen und Tugenden im Men-schen, de cii'cctioiiibus, und nennen es insusam Aratiam, et in-Iraerentem sustitiam. Diese neue Opinion redet de causa eili-cients istai'um eneetionum, von der göttlichen wesentlichen Na-tur, die in uns wohnet, und solche Tugend wirket.

Deßgleichen ist dieß eine Gesetzlehre, wenn Etliche diesen Jrr-thum schmücken: der Mensch ist gerecht, sustitia uri^iuali der-gestalt, als Adam vor dem Fall gewesen ist, nämlich wenn Gottes