Antwort auf das Buch Herrn Andreä Ofiandri,von der Rechtfertigung des Menschen, 1552.
habe sehr gerne vernommen, daß bei vielen rechten Kir-chen, darinne durch Gottes Gnade ohne Zweifel viel Prädicantcnund andere Personen wahrhaftige Gliedmaßen Christi sind, ge-sucht wird, daß sie ihr Bedenken von Osiandri Buck anzeigenwollen. Denn dieweil ich insonderheit von ihm mit Namen undhäßlich angegriffen bin, ist mir lieb, daß andere christliche ver-ständige Männer gleich als Richter sind, wie ich alle Zeit michund alle meine Schriften den wahrhaftigen Kirchen dieser Landenund Städte, da reine Lehre des Evangeli! geprediget wird, un-terworfen habe und noch also will unterworfen sein, habe deswe-gen bis anher stille gehalten und Gott gebeten, und bitte nochtäglich, Er wolle um seiner Ehre willen seine Wahrheit erklärenund erhalten, daß wir ihn recht anrufen und preisen, und wollesich unter uns für und für gnädiglich eine ewige Kirche sammeln.
Nachdem ich aber nun Befehl habe, auch dazu zu reden,und von vielen hohen und andern Personen angesucht wurde, habeich dieses klare und einfältige Bedenken nicht lang und nicht zän-kisch gestellt, sondern zur Anleitung Vieler, die durch diesen Streitin dieser hochwichtigen Sache in große Betrübnis und Zweifelkommen, daß sie merken, wovon der Streit sei, und was ihnenzu ihrer Selen Trost nöthig sei.
Und spreche abermal, daß mein Gemüth nie gewesen ist inmeinen Schriften, und sonderlich in diesem hochwichtigen Artikelanders zu lehren, denn des ehrwürdigen Herrn Doctoris LukheriMeinung und der gemeine Verstand bei den Verständigen in die-sen Kirchen ist, habe auch nicht Zweifel, diese Lehre ist die ei-nige wahrhaftige Lehre, durch den Sohn Gottes geoffenbaret, undin der Propheten und Aposteln Schriften ausgedrückt.
Daß aber Oslander mich mit hoch beschwerlichen Reden schmä-het, daran er mir Unrecht thut, das will ich Gott befehlen, deraller Menschen Herzen sichet und Richter ist. Ich habe ihn alleZeit gclicbet und gechret, wie männiglich weiß, und wundert mich.