Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
Seite
106
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106 Antwort auf das Buch A. Oslanders

wovon diese große Bitterkeit herfließt; ich bin zu diesen großenSachen wider meinen Willen gezogen worden, und erkenne michviel zu gering, habe also die Zeit, da viel ungeraumte Opinionesirre gelaufen, Fleiß gethan, die Summa rechter und nöthigerLehre zusammen zu ziehen, und so viel mir möglich gewesen, ei-gentlich davon zu reden; das habe ich treulich gemeint, der ar-men Jugend zu Gute und weiß wohl, daß alle meine Schriftenviel zu gering und zu schwach sind; darum ich sie auch unsererKirchen Urtheil alle Zeit unterworfen, und wäre davon Viel zureden, das ich jetzt unterlassen will, und will im Namen Gottesvon diesem Streit reden.

St. Paulus spricht, Nöm. 5: Die Gnade Gottes unddie Gabe durch die Liebe gegen einen Menschen, Jesus Chri-stus, ist gegen Vielen mächtiger gewesen, denn die Sünde. Hierfasset St. Paulus zwei Dinge, die Gnade, d. i., gnädige Ver-gebung der Sünden und Annehmung unserer Person bei Gott,und zugleich wird mit gegeben die Gabe, d. i., die göttliche Ge-genwärtigkeit in uns, dadurch wir verneuet werden, und fühlenTrost und Anfang des ewigen Lebens.

Und diese beide haben wir durch das Verdienst Jesu Chri-sti, wie dieser Text öffentlich saget, daß wir solches haben vonwegen der Liebe, die der ewige Vater zu diesem Sohn hat, wel-chen St. Paulus hier nennet den Menschen Jesum Chri-stum, und wird solches nicht durch unsere Werke verdienet, son-dern allein durch Glauben an den Herrn Jesum Christumerlanget, welcher Glaube in uns in rechter Bekehrung angezündctwird, so wir das Evangelium hören, damit der Herr Christusselbst wirket, denn Gott wird durch sein ewiges Wort und denheiligen Geist geoffenharet.

Und dieser Glaube muß für und für Beides annehmen undbehalten, 6ratiam et «lomim um des Mittlers Christi willen,auch wenn gleich die Wiedergeburt angefangen ist.

Gleich also redet Johannes auch:die Gnade und dieWahrheit ist worden durch den Herrn Jesum Christ» m."Gnade heißt gewißlich Vergebung der Sünden, und gnädige An-nehmung der Person, ohne unser Verdienst um Jesu Christiwillen. Aber Wahrheit heißt hernach die göttliche Gegenwärtig-keit, ewiges Leben, ewige Heiligkeit, Seligkeit und Freude in uns,als woll' er sprechen: das Evangelium bringet nicht Schaden undsterbliche Gaben, sondern wahrhaftige, unvergängliche Güter.

Und dieses muß mit Glauben angenommen werden, wie