104 Bedenken von den Cencilüs, vom I. 1552.
unserer eigenen Rcinigkeit und Würdigkeit, die uns gewirket ist,durum daß Christus gelitten hat.
Ich will Nichts verkchrlich deuten, sondern es ist gewißlichder natürliche Verstand desselbigcn Decretes wider die wahrhaf-tige Lehre von der Versöhnung und Gerechtigkeit des Glaubens,davon unsere Kirchen reden. Item, sie loben noch im DecrcteWeihwasser und ImIulAentias. Item, sie sagen, böse Neigungenim Menschen, Sicherheit und Zweifel von Gott sei nicht Sünde.
Wiewohl nun Leute sein werden, die diese und andere un-rechte Stücke im Decrete schmücken und glossiren werden, undwerden sagen, es sei um Friedens willen also in gemeinen Wor-ten gesetzt; so will ich doch mein Gewissen mit diesen Glossennicht beladen, und will für meine Person die Unrechten Stückenicht annehmen.
Was auch für Decreta folgen werden, von der Messe undHeiligenanrufung, ist wohl zu achten. Es ist auch wohl zu ach-ten, daß diese Decreta nicht zu Stillung der Uneinigkeit dienenwerden; denn sie werden von Vielen angefochten werden, undsind bereits Schriften dagegen ausgegangen.
Auch ist dieses Dccretum dem Artikel zuwider, der zu Re-gensburg Anno 1541 von der Gerechtigkeit verglichen ist.
So nun kais. Majestät in via orllinaria bleiben will, undwill stracks durch ein Generalconcilium procediren, so ist Noth,daß man uns erfordere (laut des kurfürstl. Bedenkens) und unsereAntwort und Erklärung höre, und daß tüchtige Personen zumVerhör durch Ihre Majestät gewählet werden.
Darnach mag ein Jeder gewarten, was folgen werde; wei-ter kann ich von der orllinaria via nicht sagen.
So aber bei kais. Majestät zu erhalten wäre, daß Ihre Maje-stät andere Wege, als eine Vergleichung in Teutschland zulassenwollte, wie zu Spcier berathschlagt worden, daß man auf beidenSeiten Bedenken einbringen sollte, dieses mag man bei kaiserl.Majestät versuchen.
Ich achte aber, es werden Wahrheit und falsche Lehre wi-der einander streiten für und für, und werden rechte Christen vielund mancherlei Verfolgung haben.