Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
Seite
99
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Bedenken aufs (Augsburger) Interim, vom I. 1518. gg

Von den Selm essen.

Dieselben Messen sind in Klöstern und andern Kirchen schierin allen Landen die gemeinsten Zeremonien; denn sie tragen Geld,und sind viele Jrrthümer zugleich mit den Selmessen in die Welteingerisscn, davon jetzund zu lange zu reden ist. Es ist aber aucheine Verkehrung des SacramentS, daß man es sür die Tobtenapplicirt; denn das Sacrament ist eingesetzt, der Lebendigen Glau-ben dadurch zu erwecken und zu starken. Item, zur Gedächtniß.Nun sind die Tobten nicht dabei, und wird ohne allen Grundgeredet, daß der Priester ihnen durch diese (Zeremonien Etwas ver-diene. Darum ist dieser Artikel im Buche auch in keinem Wegzu willigen, und der angezogene Spruch aus Dionysia von demBegräbniß redet ganz nicht von der Messe, und daß Etliche fürdie Todtcn gebeten haben, gehet die Messe Nichts an; das seidavon auch genug auf dieß Mal.

Von den Ceremonien.

In unfern Kirchen sind die vornehmsten Ceremonien, die zuguter Ordnung dienen, als Sonntag, Feste mit gewöhnlichen Lec-tionen und Gesängen, nicht viel geändert, wollen auch noch die-selben mit Fleiß erhalten, und wo man in solchen MitteldingenEtwas bedenken wird, mit gutem Rath derjenigen, die die Kirchenregieren sollen, das zu mehrerer Gleichheit und guter Zucht dien-lich, wollen wir gern helfen, Einigkeit und gute Zucht erhalten,denn wir wollen von denselben Mitteldingen nicht zanken, soviel den christlichen Brauch belanget.

Also auch irret uns nicht, man esse Fleisch oder Fische;gleichwohl muß man die Lehre vom Unterschiede der rechten Got-tesdienste und solcher Mittel unnöthiger Dinge nicht verlöschen,wie sie vor dieser Zeit schier ganz verloschen - vesen, wie Augu-stinus zu seiner Zeit, und vor hundert Jahren Gerson, und nochvor fünfzig Jahren Wesalus zu Basel, Wesalia zu Mainz, undetliche Andere sehr geklagt haben; denn obgleich Jkrthum in gro-ßem Haufen in den Kirchen für und für sind, so bleibet doch inEtlichen rechte Gottescrkenntniß und rechte Anrufung und besse-rer Verstand der göttlichen Lehre, denn im großen Haufen, undist Gottes Wille, daß man Jedermann vom rechten Gottesdienstetreulich unterweise.

Was aber betrifft die Gesänge von den Heiligen, davon istzuvor gesagt, daß die Anrufung nicht anzunehmen ist.

Item, dieweil wir in unser» Kirchen das Sacrament nicht

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