Bedenken aufs (Augsburger) Interim, vom 2- 1543. 97
gewesen; sondern zu Alexandria, als in einer großen Stadt istdie Eommunion die Woche dreimal, am Sonntag, Mittwoch undFreitag gehalten worden, in vielen andern Städten allein auf denSonntag und Feiertagen.
Diese alte schöne Gewohnheit wird in unsern Kirchen durchGottes Gnade mit aller revorentia , mit der Predigt, Lection,Gebet und Danksagung gehalten ordentlich.
Und so man nun ein ander Werk aufrichten würde, würdedas Acrgerniß viele Herzen verwunden, und ganz von der Com-munion abschrecken.
So sind auch mehr Beschwerungen an diesen Artikel vonder Messe angehängt, nämlich vom Kanon, Heiligen Anrufungund Selmesscn.
Nun spricht der Kanon öffentlich, daß man dieses Werk haltezur Erlösung der Selen ic., daraus alle Gelehrte und Ungelehrtediesen Verstand genommen, daß dieses Werk Vergebung der Sün-den verdiene, welche Meinung auch dem Buch zuwider ist.
So sind auch andere unförmliche Reden im Kanon, als, daßder Priester bittet, Gott wolle sich dieses Opfer gefallen lassen, wieAbels Opfer, so sie doch dieses Opfer vom Sohne Gottes ver-stehen.
Und in Summa: cs sind so viele grausame Mißbräuche inder päpstlichen Gewohnheit, daß wir erschrecken, so wir davon re-den, bitten auch, man wolle Niemanden nicht beladen mit solcherWiederaufrichtung.
Von der Heiligen Anrufung.
Die Anrufung eines unsichtbaren Wesens, das nicht bei unsist, gibt demselben Wesen die Ehre, daß es aller MenschenHerzen und Seufzen erkenne und richten könne.
Diese Ehre gebühret allein göttlichem Wesen; darum ist dieHeiligenanrufung unrecht.
Und wenn man gleich dagegen gedichtet hat, Gott thue ih-nen besondere Offenbarung von solcher Anrufung; das redet manohne Grund, und setzen dagegen wir diesen hohen Spruch: „Dusollst Gott deinen Herrn anbetcn." Daß man auch saget, manrufe sie als Diener und Fürbitter an; diese Antwort ist auchnicht genugsam; denn die Anrufung an sich selbst ist Zeugniß, daßman den Unsichtbaren für allmächtig halte.
Zum andern, so sollen wir neben den Heiland, den SohnGottes, nicht andere Mittler stellen.
m.
7