M) Bedenken auf's (Augsburger) Interim, vom I. I54S.
vatmesse damit zu stärken, das sind weitläufige Reden, und wäredagegen sehr leicht, guten Grund aus Augustins und Andern an-jvzeigen, daß dieselben Sprüche ihre Privatmessen und Opfer Nichtsangehen; denn ob sie es gleich ein Opfer nennen, so erklären siesich doch selbst also, daß eS nicht Vergebung der Sünden verdiene.Item, auch nicht also, daß sie selbst den Sohn Gott dem Vateropfern; denn dieß ist ein eigen Werk des einigen Sohnes, daßer sich selbst opfere, wie der Text spricht, Hebr. 9: „Dieser istdurch sein eigenes Blut in das Heiligthum getreten;" Er stehetvor dem Vater als der Versöhner für und für, und bittet fürunS in demselbigen allerheimlichsten Rath, d. i., das Heiligthum.
Aber vom menschlichen Opfer reden sie also: daß es seieme Danksagung und Gedachtniß, d. i., daß man mit Glaubendie erworbene Vergebung um des Sohnes willen bittet und an-nimmt, und diese Gebete und Danksagungen sollen geschehen int-cc Austheilung und Nießung, wie es befohlen und eingesetzt ist,und ist die Ceremonia an sich selbst ohne diese Werke im Herzen,Glauben, Gebet und Danksagung, kein Opfer.
Das sei genug von der alten Lehrer Reden, davon wir zujeder Zeit mehreren Bericht zu thun uns erbieten, und nachdemder ganzen Christenheit Viel an dieser Sache gelegen ist, und dieMesse durch viel Irrthum in große Mißbräuche gezogen, darumohne Zweifel Gott die Welt strafet, wie geschrieben stehet: „Werunwürdig genießet, der macht sich schuldig am Leibe und BluteChristi;" sollte man die Wahrheit Gott zu Lob und den Men-schen zur Seligkeit hierinne mit großem Ernst suchen und helfenerhalten, und ist dieses auch der Artikel einer, der insgemein alleMenschen, gelehrte und ungelehrte, betrifft; darum kürzlich jetztauf diese Frage zu antworten, ob man die Privatmessen, d. i.,Messen ohne Eommunicanten aufrichten wolle, daß man Neindazu sage, und ist die Ursache klar: man solle in den Kirchenkeinen Gottesdienst ordnen und machen, der nicht in Gottes Wortgeordnet und befohlen ist. Nun ist der Brauch des Sacramentesalso geordnet, daß nichts Anderes, denn die Austheilung und Nie-ßung geschehe, wie der Sohn Gottes spricht: „Nehmet hin undesset w., dieses thut zu meinem Gedächtniß;" und ist also vielhundert Jahre in den ersten Kirchen gehalten worden, darum istdieser erste Brauch den Worten Christi gemäß gewißlich rechtund soll erhalten werden, und sollen nicht andere Werke darin-nen, die nicht besohlen sind, aufgerichtet werden.
Und sind vor Zeiten nicht an allen Orten tägliche Messen