Bedenken auf's (Augsburger) Interim, vom. I- 1548. tzl
gleich Liebe und andere Tugenden in uns sind und sein müssen,daß sie doch zu schwach sind, und das Vertrauen aus den SohnGottes stehen soll.
Und so man von eingegebener Gerechtigkeit (wie sie es nen-ne»,) redet, soll man diesen Glauben und lebendiges Vertrauennicht ausschließen; denn es ist der hohen und nölhigcn Tugendeneine, ja dieses Vertrauen erwecket Trost, Liebe, Anrufung undLeben im Herzen, wie geschrieben stehet »ck Oal. 2: „Daß ichnun lebe, lebe ich durch den Glauben an den Sohn Gottes;"und kann Liebe und Trost im Herzen nicht sein oder bleiben, wonicht dieser Glaube und dieses Vertrauen vorhergeht.
Und ist unbedachtig im Buche geredet, daß man erst wahr-haft gerecht werde durch die Liebe, so doch diese Gerechtigkeit, daßuns Gott gnädig ist, um des Mittlers willen, und daß der Mitt-ler unsere Schwachheit decket, viel höher zu achten ist, denn un-sere eigene Liebe.
Und so wir in der Noch sind, und die Anrufung ein rech-ter Ernst ist, so suchen wir nicht unsere Liebe und eigene Rei-nigkeit, sondern erschrecken vielmehr vor unserm großen Elendeund Sünden, und müssen Trost suchen bei dem einigen Versöh-ner, den uns Gott aus großer Barmherzigkeit und wunderbarli-cher Weisheit vorgestellt hat. Davon spricht Paulus: „ilusti-llvati ticke pacoin halreiuus;" so wir durch Glauben gerecht sind,haben wir Friede.
Und daß diese Lehre gewißlich die unwandelbare Stimme undMeinung des Evangclii sei, in der Kirche Gottes von Adams Zei-ten her, das ist klar durch die ganze Schrift, und stellet uns St.Paulus Abraham vor die Augen, und erkläret den Spruch:„Abraham glaubete Gott und ist ihm gerechnet zur Gerechtig-keit;" d. i: ob wohl Abraham große Tugenden hat, so ist erdoch also vor Gott gerecht'und Gott gefällig, daß er glaubet,Gott wolle ihm gnädig sein laut seiner Verheißung.
Und wiewohl dieser Verstand oft zu allen Zeiten verdunkeltist, so ist er dennoch bei den verständigen Christen geblieben, undbleibet alle Zeit, wie eines jeden gottcssürchtigen, verständigenMenschen eigene Erfahrung anzeiget.
Darum ist es ein Mangel im Buche, daß es setzet, die Liebesei die wahrhaftige Gerechtigkeit, und dichtet, Glaube sei nur einWissen, wie cs in den Teufeln ist, und sagt weiter: der Menschsei ein Erbe des ewigen Lebens, darum, daß er die Liebe hat,weiset also auf eigene Tugenden, und geschweiget dieses Trostes,