Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
Seite
89
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Bedenken aufs (Augsburger) Interim, vom I. 1548. 89

sacht würde; denn viele gottcsfürchtige Leute würden in großeDetrübniß fallen, und würde rechte Anrufung Gottes verhindert.

Aus diesen hochwichtigen Ursachen wolle man sich in dieserSache wohl vorschen, was man schließen wolle.

Wir streiten nicht aus eignem Frevel, Vorwitz oder Stolz,wie uns von Etlichen aufgelegt wird. Gott, der aller MenschenHerzen kennet, der weiß, daß wir herzlich gern Frieden sehen,und selbst haben wollten.

Uns dringet aber zur rechten Bekenntnis der Lehre, die inunfern Kirchen gepredigt wird, dieses ernstliche Gebot, daß manerkannte Lehre der Wahrheit des Evangelii nicht vcrlaugnen undnicht verfolgen soll; wollen auch unsere Gefährlichkeit Gott be-fehlen.

Und nachdem man nun im Werke befindet, daß die Bischöfeund ihr Anhang keine Vergleichung annehmen wollen, und dieUneinigkeit in der Lehre und etlichen Ecremonien gleichwohl blei-ben wird, und sie uns keinen Priester ordiniren wollen, wärebester, daß wir doch unfern Kirchen Ruhe und Frieden ließen,und nicht selbst unter uns mit neuen Veränderungen Unruhe,Uneinigkeit und Acrgerniß anrichten.

Denn dieses Buch wird doch in vielen Landen und Städ-ten gewißlich nicht angenommen werden.

Dieweil aber die Stücke und Artikel im Buche ungleich sind,etliche sind recht, etliche sind unrecht, etliche reden von Hauptar-tikeln des Glaubens, die alle Menschen wissen und verstehen sol-len, etliche aber von andern Sachen, die nicht so nöthig sind;wollen wir ordentlich unser unterthänig Bedenken anzeigen, undwas recht ist, das wollen wir nicht valumnio8v und 8oplii8ticeanfechten, sondern klar und einfältig bekennen; dagegen, was un-recht ist, das sollen wir nicht billigen.

Der Anfang des Buchs von der Menschen Schöpfung undFall, von der Erbsünde und Erlösung durch Christum ist rechtund unsträflich. Hernach aber, am vierten Blatt, unter dem Ti-tel der Rechtfertigung, ist dieser Mangel, daß das Buch klarsetzt, die Liebe sei die Gerechtigkeit, und wird diese Meinung inden folgenden Blättern wiederholet und also erkläret, daß mangewißlich daraus verstehen kann, daß das Buch nicht einträchtigist mit der wahrhaftigen Lehre, die durch Gottes Gnade in un-fern Kirchen gepredigt wird, wie der Mensch vor Gott, um desHerrn Christi willen, gerecht und angenehm sei, durch den Glau-ben, und wiewohl das Buch spricht: durch den Glauben kommt