Won Sünden der Auserwahlten, eontiuAOLgiutn I^nsloienl (üniensem, vom 25. Jan.
1544 .
§Wenn man vom Unterschiede der Sünden redet, welche in Hei-ligen in diesem Leben bleiben, soll man die Augen nicht auf dieverborgene Auserwahlung, oder Vorsehung, oder kraclostinatio,wie man sie nennet, weisen; denn diese Reden machen Zweifel,Sicherheit oder Verzagung. „Bist du erwählet, so kann dir keinFall schaden, und bleibst alle Zeit in Gnaden und kannst nichtverderben. Bist du nicht erwählet, so Hilst Alles Nichts!" Die-ses sind schreckliche Reden und ist Unrecht, das Herz auf dieseGedanken zu leiten, sondern das Evangelium weiset uns zumausgedrückten Gottes Wort, darinnen Gott seinen Willen offen-baret hat, und darnach Er will erkannt werden und wirken rc.
Nun ist öffentlich, daß Gottes Wort die Sünden straft,und gibt Unterschied der Sünden, und weiset uns zu dem Hei-land Christo. Dieses ausgcdrückte Wort sollen wir ansehen unddarnach richten, ob wir in Gnaden sind; denn so ein Mensch inSünden ist wider sein Gewissen, d. i., so er wissentlich und wil-liglich thut wider Gott, als ein Ehebrecher oder Frevler, der Je-mandem wissentlich Unrecht thut, sein Gut entzieht rc., derselbige,so lange er solchen Willen wissentlich und williglich behält, ist erohne Neu' und ohne Glauben, und ist Gott nicht gefällig. Alsso lange er eines andern Eheweib bei sich hat, ist keine Rene,kein Glaube, keine Heiligkeit da. Das ist ja öffentlich; dennwo Glaube ist, dadurch wir gerecht werden, da muß auch gutGewissen sein, und ist ganz unmöglich, daß diese zwei Dingebeisammen stehen sollten: Glaube, der auf Gott vertrauet, undböser Vorsatz, oder wie man es nennet, böses Gewissen. Glaubeund Anrufung Gottes sind zarte Dinge, und mag leichtlich eine