Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
Seite
76
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70 Relation des gehaltenen Gesprächs in Neligionssachen

len, wie St. Paulus spricht:Ich habe es vom Herrn em-pfangen, das ich euch gegeben habe!"

Dieweil denn von Nöthen ist, des Menschen letzten Willenzu halten, soll viel weniger des Herrn Christi letzter Wille ge-brochen werden, und hat Christus diesem Sacramcnt den Na-men und Titel gegeben, seines letzten Willens, da Er spricht:Dieses ist der Kelch des neuen Testaments."

Diesen Bericht haben viele Leute nunmehr, und wo mannicht das ganze Sacrament reichet, bleiben Etliche ganz vom Sa-ccament, Etliche empsangen's mit verwundetem Gewissen.

Dieweil nun dieß Sacramcnt ein Trost sein soll, und sollmit gutem Gewissen genossen werden, daß man Gott danken,und den Herrn Christum und seine Gnade fröhlich preisenkonnte, wie cs eine Danksagung, Eucharistia, genannt wird, isthoch von Nöthen, daß man den Leuten helfe, daß sie das Sa-crament nicht zur Verletzung ihrer Gewissen brauchen müssen.

So nun Einträchtigkeit wäre in der Lehre, und das Volkzum ganzen Gebrauch vermahnet würde, und der ganze Gebrauchangericht würde, so Ware alsdann Einigkeit. Denn dieweil dieVerfolgung ein Ende hätte, und die rechte Lehre nun den Leu-ten vorgetragen würde, so wäre keine öffentliche Zwietracht oderSpaltung; denn die Unfern beschuldigen nicht diejenigen, so nochnicht genügsamen Bericht haben, und lassen sich doch unterwei-sen, sondern beschuldigen die Verfolger und die, so die Gegenlehrevertheidigen, nämlich, daß recht sei, einen Theil des Sacramentszu verbieten, oder solch Verbot zu loben.

Es wird auch darum die Kirche vor dieser Zeit nicht vonuns verdammt; denn auch die heilige Kirche hat oft etliche Stop-peln, wie St. Paulus spricht, welche Gott vergiebet, wie an-dere Unwissenheit, denen, so doch das Fundament oder Haupterhalten, d. i., welche durch Glauben, um des Herrn Christiwillen, Vergebung bitten.

Und im Mißbrauch der Messen und Helligcndienst ist vielgrößere Sünde gewesen; darum weissaget die Schrift: daß dieletzte Zeit der Kirchen werde von großer Gefährlichkeit sein, wiedas Verbot von der Ehe und Möncherci sehr Viele in ewigeVerdammniß gebracht, also sind Viele verloren worden durch Miß-brauch der Messe und Heiligendienff. Darum so nun die Miß-bräuche an das Licht gebracht und bekannt geworden, soll mansie nicht schützen und erhalten, sondern abthun und Besserungsuchen.