auf dem Reichstage zu Regensburg 1541 rc. 63
der alten Lehrer Meinung und Verstand sei, das ziehen und be-rufen wir auf uns, auf aller Verständigen Urtheil, welche dieWahrheit suchen und nicht Lust haben zur Sophisterei. DerGlaube soll sich auf Gottes Wort gründen, nicht auf menschli-ches Zeugniß. Darum haben wir erstlich Christi und der Apo-stel Sprüche und Zeugniß angezogen, und angezeigt, was unsdieselben lehren von Vergebung, so uns umsonst geschenkt wird,nicht von wegen unsers Verdienstes. Auf diesen Gründen sollder Glaube stehen. Darnach mag man der Vater Sprüche dazunehmen, durch welche mögen gottesfürchlige Leute desto mehr ge-stärket werden, so sie dieselben recht verstehen. Und wir habendaran nicht Zweifel, daß eben dasjenige der Vater Meinung seivon heimlichen Sünden, das wir.sagen und halten.
Zuletzt wird uns vorgeworfen das Concilium Latcranense.Wir geben rechten christlichen Conciliis ihre gebührliche Ehre, dienicht Gottes Wort entgegen sind. Aber man muß vor allen Din-gen diese Regel St. Pauli halten: „Wenn auch ein Engel vomHimmel ein anderes Evangelium lehrte, das sei verflucht!" Wasaber im selbigen Conciüo Lateranensi zu Nom für Artikel undGebote gesetzt sind, unter welchen auch dieß Gebot von der Er-zählung der Sünden in der Beichte erstlich gesetzt ist, durch denKanon, Oinnis utriusguo et vst., wollen wir anderswo weiteranzeigen. Jetzt wollen wir allein von diesem Gebot der Erzäh-lung antworten.
Gott hat ernstlich verboten, daß man die Kirchen nicht be-laden soll mit menschlichen Satzungen, die man halte für Got-tesdienst, oder dadurch man Vergebung der Sünden verdiene, oderdie da nöthig seien zur Seligkeit. Denn Er will, daß diese Lehrerein erhalten werden solle, daß wir Vergebung der Sünden ha-ben, nicht von wegen unseres Verdienstes, sondern allein umChristi willen, durch Glauben. Item: Er will allein dasfür Gottesdienst gehalten haben, so Er durch sein Wort befoh-len, nicht was aus menschlichem Dünkel und Aberglauben erfun-den wird. Um dieser großwichtigen Ursache willen streitet St.Paulus so hart von Abthuunq des Gesetzes. Und Petrusspricht: „Was versuchet ihr Gott, mit Auflegen des Jochs rc."Zeiget mit diesen Worten, wie große, schwere Sünde solches sei,daß er spricht: „Was versuchet ihr Gott rc." Darum sündigendie schwerlich, welche eigenen Gottesdienst anrichten, und Men-schensatzungen gebieten, als nöthig zur Seligkeit.
Weil nun dieß Gebot von Erzählung der Sünden, als zur