62 Relation des gehaltenen Gesprächs in Religionssachcn
kommen, wollen wir auf eine andere Zeit anzeigen. Jetzund wol-len wir hierauf kürzlich antworten.
Die Vater reden gemeiniglich von öffentlicher Pönitenz oderBuße (wie man sie dazumal genennet hat), durch welche offen-bare Laster gestraft werden; zu solcher Buße und Strafe vermah-neten sie diejenigen, so mit öffentlichen Lastern beflecket waren,und hierin soll man die Vater mit gutem Verstand und Auf-merksamkeit lesen; denn wie viel sagt Eyprianus von diesen Stra-fen, welches gar nichts taugt, so man's nach der Scharfe urthei-len wollte; denn er spricht etliche Mal, daß ohne diese Strafendie Absolution Nichts gelte; dieser Spruch bedarf je einer Mä-ßigung.
Es ist oft ein Bischof von Natur härter und ernster gewe-sen denn der andere, und also hat er sich harter erzeigt mit Auf-legung solcher Strafen, daher ist's gekommen, daß man solcheSpektakel der Satisfaction oder öffentlichen Strafen, so hoch ge-preiset und gelobt hat; es haben auch Etliche von sich selbst,unerfordert in solche Strafe sich begeben, und ihre heimlichenSünden öffentlich bekannt; aber solches ward nicht für nöthiggehalten. Darum setzen die Vater selbst Unterschied zwischen heim-lichen und öffentlichen Sünden, und lehren, daß heimliche Sündeauch ohne die Beichte vergeben werde, wie der Spruch Prosperianzeiget, den wir in unseren Artikel angezogen.
Also spricht auch Ehrysostomus über den Psalm illinerers.So du Scheu hast, deine Sünde einem Menschen zu sagen, sosage sie täglich Gott, in deinem Gewissen; ich sage nicht, daßdu sie deinem Mitknecht beichten oder bekennen sollst, der sie dirverwerfen möchte, sondern Gott sollst du sie sagen, der sie hei-let und wegnimmt.
Es ist offenbar, was Gratianus im Decret hiervon er-zählet, welches anzeigt, daß viel bewährter Lehrer, eines Anderen,denn der Andere, von dieser Sache geredet haben; so sind auchEtliche der neuen Scribenten, großes Ansehens, die da halten,daß die Erzählung der Sünden nicht in göttlichen, sondern allein inmenschlichen Rechten geboten sei.
Dieses erzählen wir darum, daß man verstehen möge, daßnicht der ganzen katholischen Kirchcnqemeinde und einträchtige Mei-nung sei, daß man die heimlichen Sünden erzählen und beichtenmüsse. So soll man der ganzen katholischen KirchengemeindenVerstand und Haltung nicht rechnen, aus gcstümpelten Sprüchen,so von diesem oder jenem Theil angezogen werden. Was aber