auf dem Reichstage zu Negensburg 1541 rc. 61
ansehen und uns erinnern, daß Er sei das Opfer für unsereSünde geworden, und daß uns durch Ihn die Vergebung undAbsolution geschenkt und mitgctheilt werde.
Von solchem Glauben, welcher schließt, daß wir Vergebungder Sünden gewiß empfangen um Christ! willen, und käm-pfet wider den Zweifel, schweigen die Kanonisten ganz stille, alsdie gar Nichts wissen von diesen geistlichen Sachen, die Gewissenbelangend, und ziehen das Evangelium ganz auf ihre weltlichenSachen. Darum muß man die Kirchen von solchem Jrrthum freimachen, und wieder an's Licht bringen die Lehre vom rechtenTrost der Gewissen, vom Glauben, ohne welchen Gott nicht kannrecht angerufen werden. Denn wer da zweifelt, ob ec Vergebungder Sünden habe, der fleucht vor Gott und kann Ihn nichtwahrhaftig anrufen.
Aber wir wollen sehen, was man mehr für Argument füh-ret von der Erzählung.
Jakobi am fünften stehet: „Bekenne Einer dem Andernseine Sünden re." Hier wird geboten (sagen sie): daß man dieSünde erzählen soll. Antwort: Jakobus redet nicht von der heim-lichen Beichte, sondern vermahnet, daß sich die, so uneinig sind,mit einander versöhnen sollen. Denn er will, daß ein Jeder demAndern soll bekennen, so er wider ihn gesündigt hat.
Man pflegt auch diesen Spruch anzuziehen, da Christussagt: „Gehet hin, und zeiget euch den Priestern!" Darum willEr, daß man die Sünde erzählen soll. Antwort: Er spricht nicht:Zeiget euch den Kanonisten oder Ossicialen, sondern den Prie-stern, d. i.: den Dienern und Predigern des Evangeliums; dennChristus sendet Alle die, so gereinigt werden, zu der mündli-chen Rede des Evangeliums, und will, daß selbige Predigt unsein Zeugniß sein soll, daß wir gereinigt sind von Sünden, jadaß wir eben durch dieselbige gereinigt werden; darum soll dieserSpruch Christi recht verstanden werden, daß er heißt: das Evan-gelium hören, nicht daß man solle die Sünde erzählen. Dasgöttliche Amt oder Predigt des Evangeliums will Er damit prei-sen, nicht solche vergebliche Erzählung, welche nichts ist, dennMenschensatzung.
Weiter werden auch der Väter Sprüche angezogen, und hierhat man eine neue Sophisterei erfunden, die da vorgibt, das seider gemeine einhellige Verstand und Haltung der ganzen katho-lischen Kirche Christi, so der mehrere Theil der Scribenccn voneinem jeden Artikel geschrieben haben; woher solche Sophisterei