Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60 Relation des gehaltenen Gesprächs in Religionssachen

dem Lösen, dadurch das Gewissen vor Gott gelöset wird. Hierinthut der Prediger oder Kirchendiener nichts Anderes, denn daß erdie Stimme des Evangeliums, darin Vergebung der Sünde ver-kündigt wird, mitthcilet und darreichet, gleichwie andere Sacra-mente.

Die neuen Scribenten in Illieologia »eliolasticn haben ge-meiniglich in dem geirrt, daß sie den Unterschied nicht gemerkthaben zwischen dem öffentlichen Kirchengericht, und diesem Amtoder Dienst, die Sacramentc zu reichen. Darum haben sie vielweitläufige verworrene und irrige Disputation von der Absolutioneingeführet, so doch dieses ganz richtig und klar: In Darreichungder Sacramsnte, richtet der Diener den Befehl aus, so er vonChristo hat, nicht daß er eines Andern Sünde erkennen soll,als ein Richter, sondern daß er ihm das Evangelium verkündi-gen, und Christi Wchlthat darreichcn soll.

So man diesen Unterschied wohl merket, ist ganz leicht auchauf dieß gemeine Argument zu antworten.

Vor Gericht kann Niemand absolviret werden oder losge-sprochen, es sei denn die Sache 'zuvor gehört oder erkannt.

Hier werden die Leute absolvirt und losgesprochcn.

Darum muß die Sünde angezeigt und erkannt werden.

Antwort. Das erste Stück dieses Arguments ist wahr- wennman redet vom Gericht; aber nicht von dem Amt oder Dienstder Kirchen, in welchem der da löset oder absolviret, nicht Richterist, sondern allein Befehl hat, daß er die Absolution darreichensoll, wie das offenbar; denn man muß auf diese Lehre halten,daß auch die Sünden, so nicht erkannt werden, vergeben werden,welche ganz viel groß und schwer sind. Denn wie viel ist alleinder Sünden in allerlei Amt und Regiment, so man nennet pso-vata omissionis, Versäumniß oder Nachlassung deß, so wir thunsollten, und Gott geboten hat.

Diese Gedanken von dem Erkenntniß oder Verhör der Sün-den sind aus der Kanonisten Büchern und Lehre hierher gezogen,in diese hohen geistlichen Sachen des Gewissens. Es denket aberein jeder gottesfürchtiger Leser selbst, in was unüberwindliche, un-vermeidliche Gefahr und Beschwerung das Gewissen getrieben wer-de, wo keine Absolution sein sollte, denn allein von diesen Sün-den, die da erkannt und angezeigt würden; darum soll man solcheTräume hinweg werfen und die Kraft des Dienstes oder Amtsder Schlüssel recht verstehen lernen, also daß wir die Stimmedes Evangeliums hören, und durch Glauben den Sohn Gottes