46 Relation des gehaltenen Gesprächs in Religionssachen
ist aber eine christliche lautere Antwort von den Kurfürsten undStänden, dem Evangelio anhängig, übergeben, daß man von ir-rigen Prälaten zu weichen schuldig ist, wie St. Paulus spricht:„So ein Engel vom Himmel anders lehret, soll man ihn fürverbannt und verflucht halten." Daß aber die Bischöfe, so un-sere Eonfessivn verfolgen, und fromme Christen deswegen ermor-den, irren, das ist ganz öffentlich und gewiß. Darum soll dieKirche an sie an keinem Ort gebunden sein, viel weniger soll mandie Kirche an Menschensatzungen binden, Kol. 2.
Weiter im Artikel von Auslegung der Schrift, macht daSBuch eine Gewalt durch's Mehrer zu schließen in der Kirche,daraus viel andere Folgen kommen. So dieser Artikel bewilliget,haben sie bald ein Mehreres gemacht, und wären vieler päpstli-chen Concillen schädliche Jrrthümer damit bestätiget, und die Ty-rannei gestärket, und machten wir uns selbst schuldig an allemBlute, das die Widersacher deswegen unchristlich vergossen.
Weiter gebietet das Buch: Erzählung der Sünden in derBeichte. Item: es bestätiget den Jrrthum von der Gcnugthuung.Item, den Jrrthum von der Transsubstantiatio, daraus viele Ab-götterei gesolget. Denn Sacramente können nicht Sacramcntesein, außer ihrem eingesetzten Gebrauch, dieweil man Gott nichtan Etwas binden soll, als gewöhnlich im Gottesdienst und Wall-fahrten. Nun wird das Sacrament im Spektakel des Umtra-gens, und in der Opfermesse in einen fremden Gebrauch verkeh-ret; diese schweren Mißbräuche sind billig zu scheuen, zu fliehenund zu strafen.
Darnach flickt das Buch an der Messe, sagt, der Priesteropfere da den Sohn Gottes, und dazu, für Lebendige und Tobte,damit die Selenmessen nicht abgehen, und wiewohl diesem Ar-tikel viel Farbe angestrichen, so ist's doch im Grunde Lügen undBestätigung der päpstlichen Abgötterei.
Es schmückt auch die gewöhnliche Anrufung der verstorbe-nen Heiligen, welche eitel öffentliche heidnische Abgötterei ist, undhat den rechten Verstand von Christo über die Maße sehr ver-dunkelt.
Diese Artikel habe ich erzählet, daraus ein jeder christlicherLeser selber richten möge, wie rein das Buch sei. Es hat sichaber hierin der Kaiser löblich gehalten, daß er den Vcrordnctenzum Gespräch befohlen, ihre Meinung in allen Punkten christ-lich und frei anzuzeigen, darum auch etliche Gegenartikel überge-ben, wie in diesen Acten zu finde».