An de» Rach zu Nürnberg, von dem entstandenen re. 27
privatum sdsolutionvm gehabt, so hat er doch von andern Sün-den vor und nach sich müssen halten an die gemeine Promissionund Predigt, wie Jcsaias und auch Andere. Nun aber das Evan-gelium geoffenbaret, verkündigt es Vergebung der Sünden insge-mein, und insonderheit.
Wahr ist's, daß Osiander sagt, das Gewissen streitet nichtinsgemein, ob Gott barmherzig sei, sondern von der Person, obmir Gott gnädig sein wolle. Aber wiewohl die Predigten undpromirmivne« gemeint sind, so soll doch ein Jeder merken, daßsie universale« sind, und soll sich selbst Niemand davon aus-schließen, sondern sich derer annehmen, als eines eigenen beson-deren Wortes, dieweil Gott Allen geboten hat, seiner Verheißungzu glauben, und obgleich ihr Viele nicht glauben, so will Er siedoch allen denen halten, so sich darauf verlassen, wie Paulusspricht Rom. 3. Kumguist eorum inerestulita« listem Oer eva-euavit (hat ihr Unglaube Gottes Glauben aufgehoben)?
Was wollte auch folgen, so keine Vergebung der Sündenohne privatam absolutionem wäre? Wie könnte man den blödenGewissen rathen, so sie privatam absolutionem so oft nicht ha-ben könnten, als sie mit Schrecken und Angst angefochten wer-den, auf der Hand oder Faust, daß sie in der Eile nicht mögeneinen Priester haben, wie sich solches auch wohl zutragen mag,an Ocrtern, da das Evangelium verfolget wird, daß auch einemrechten Christen ein Pfarrherr will keine Absolution mittheilen,so ist christliches Wesen und Leben ein solcher ewiger Streit, darinman für und für wider der Sünde Schreckung Vergebung suchet.
Zum andern wissen wir auch für gewiß, daß die gemeinePredigt auch das Werk hat, daß sie Vergebung im Gewissenwirket in denen, so sich dadurch im Glauben trösten und auf-richten, wie Paulus spricht: „das Evangelium ist eine KraftGottes rc." Item, 2. Kor. 4 nennet er das Evangelium einAmt des heiligen Geistes, das Leben und Gerechtigkeit bringet.
Item: „liäe« ex nullitu, austitu« per verbum stei"*), wel-ches Alles vom Ministerio, Beides insgemein, und besonder- ge-redet ist, und in Summa weil das Evangelium, Gottes Wortist, dem wir zu glauben aus Gottes Befehl schuldig sind, woder Glaube ist, da muß auch Vergebung und Seligkeit sein; alsoist das Evangelium eine gemeine Absolution, denn es ist eine
*) Der Glaube kommt aus dem Hören, das Hören durch das Wort
Gottes.