16 Consultation, ob dir evangel. Fürsten mit den Bischöfen
erschrecken muß, oder denken, wie es doch möglich, daß die Kirchealso hoch habe können verlassen werden, so weit geirret und ge-fehlet habe.
Aber der Schade ist viel größer, denn ein menschlich Herzachten kann, dieweil auch uns die verblendeten Heiligen so feindsind, können sie uns nicht glauben, daß der Jrrthum in der Kir-che so groß gewesen.
Es ist aber von Anfang der Welt also gegangen; da Got-teswort verloschen bei den Heiden, sind gleichwohl die Ccremo-nicn geblieben, und neben dem aus der Werklehre für und fürCercmonicn erdichtet, wie in allen Historien zu sehen.
Also ist's auch in der Kirche nicht lange nach den Apostelngegangen. Die Ecremonie des Sacraments ist erhalten, aber zuandcrm Gebrauch, ohne Gottes Wort, gezogen, wie die türkischeBeschneidung. Ob nun zu solchen grausamen Jrrthümcrn stillzu schweigen, wolle ein Jeder selbst bedenken, und ob wir gleichschweigen, so würden doch die Steine schreien.
2) Zum Anderen ist öffentlich, daß die Applicatio stracks istwider die Lehre vom Glauben. Sie setzen, dieses Werk des Prie-sters verdiene Vergebung der Sünden den Tobten und Lebendigen;das ist zuwider diesem Artikel; durch eigenen Glauben haben wirVergebung um Christi willen, ohne unser Werk oder Verdienst.
Z) Zum Dritten so ist das Opfer für die Sünde eine Got-teslästerung; denn allein Christus hat dieses Opfer ausgerichtdurch seinen Tod. So man nun in ihren Kanon williget, sohelfen wir solche Abgötterei und Gotteslästerung alle starken.
Dagegen wird bei den Naseweisen das Glossiren angehen,und wcrdön sagen, cs soll nicht die Meinung haben führohin mitder Messe; man soll die Applicatio fallen lassen, und soll diesenVerstand von der Messe lehren, nämlich daß dieß Werk geschehenicht für Andere, sondern sei eine Danksagung, als so man Psal-men lesen wollte. Wie nun gut ist, etliche Psalmen sprechen zurDanksagung, also sei dieses Werk der Messe gut, als ein Ge-dachtniß Christi und Danksagung anstatt gemeiner Kirchenexem-pel. Im alten Testament ist ein tägliches Opfer gewesen; dashat Gott geordnet, nicht zur Vergebung der Sünden, sondern alseine Danksagung, und hat gedienet dazu, daß das vollkommenetägliche Erinnerung hätte; ist also eine öratiaruin actio und kac-äagoZia gewesen, die zu den Ceremonien dienen sollen, ut suntoigna lloccntia ct invitantia aäicctum. (Wie Zeichen sind, dieda lehren und die Neigung erwecken.)