Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
572
Einzelbild herunterladen
 

872

Zu sehr nahen Beziehungen steht zu der Farbe der Haut die Farbeund Beschaffenheit des Haares. Daß der Mensch, so gut wie die Säugc-thicrc, sein allgemeines, nur an der Handfläche, den Fußsohlen und einigenStellen dcS Gesichts fehlendes Haarkleid habe, lehrt die genauere Beobach-tung jeder anderen Stelle seiner Oberfläche. Allein an den meisten Punktenbleiben die Haare klein und unentwickelt, wenn sic auch gerade nicht sperri-ger stehen, als am Scheitel, am Gesichtsumfang des Manncö und den an-deren Gegenden, die ein längeres, kräftiger entwickeltes Haar von einfacherBeschaffenheit tragen. Die Farbe und der Bau dieser Haare ist keineswegszufällig, sondern unterliegt entschieden nationalen Gesetzen, die nur ähnlich,vielleicht noch leichter als die Bestimmungen für die Hautfarbe, durch ver-änderte Lebensweise und nationale Vermischungen umgcstoßen werden kön-nen. Zwei Hauptunterschiede zeigt daS Haar im Bau, die krause wolligeweiche Beschaffenheit beim Neger, den langen schlichten oder großlockigenHabitnS bei Europäern, Malaycn und Amerikanern. Woher diese Ver-schiedenheit rühre, ist noch nicht genügend ermittelt; ohne Zweifel hat sicihren Grund im Bau der einzelnen Haare selbst, und scheint beim Neger voneiner absatzweisen Kompression dcS Haarfadcnö abzuhängen. Die Haareder ersten Form sind ursprünglich immer schwarz, die Haare der zweitenKlasse wechseln dagegen in mehreren Farben, vom tiefsten Schwarz bis zumhellsten Gelb oder Blond. Im unvermischten Zustande hat jede Nationdurchaus einen gleichen Bau und ihre eigene Farbe, allein sehr bald ändernsich beide, nicht bloß in Folge der Vermischung, sondern auch in Folge ver-änderter Lebensweisen. Nebcrhaupt ist das Haar, und nicht bloß beimMenschen, sondern auch bei den Säugcthicrcn, leichter als irgend ein Kör-pcrthcil zu Variationen geneigt, verliert daher immer zuerst seinen nationa-len Charakter, und schwankt am meisten von allen Körperthcilen dcS Men-schen auf zahlreichen, neu entstandenen Zwischenstufen und Modificationcn.Darum kann nur bei ganz unvermischten, im Urzustände gebliebenen Natio-nen seine Beschaffenheit noch als nationaler Charakter angesprochcn werden;womit freilich nicht gesagt sein soll, daß nicht einzelne Individuen auchunter eivilisirten Nationen geben könne, die ungetrübt ihren nationalenGrundcharakter behauptet haben.

Die vier behandelten Punkte bieten offenbar die sichtbarsten, wennauch nicht die wichtigsten äußeren Unterschiede dcS Menschengeschlechts dar,und geben uns ein Mittel an die Hand, die Nationen naturgcschichtlichcinzutheilen. Bevor wir aber an diese schwierige Arbeit gehen, müssen wirnoch einige, wie eS scheint, wichtigere Unterschiede des Skelets hcrvorhebcn,