Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

442

und vermuthen dasselbe von einigen Nadelhölzern (z. B. ^rnucnrigo), derenStämme (pinitas) und Blätter (6upr68sito8) man aufgefunden hat, alleinsic erscheinen mehr in den obcrn Schichten der Gruppe, und sind in keinemFall zahlreiche Mitglieder derjenigen Vegetation gewesen, deren Reste inden Kohlcnstratcn sich begraben finden. Nach ihnen dürfen wir also denCharakter dieser Periode nicht fcststcllcn. Sehen wir uns aber nach denlebenden Repräsentanten der gewöhnlichsten Steinkohlenpflanzen um, sofinden wir zwar Bärlappgcwächse und Farrenkräutcr gegenwärtig in unse-ren Zonen wieder, allein nur in unbedeutenden winzigen Formen, welchesich mit den Riesen der Vorwclt nicht igessen können. Und doch gicbt csnoch jetzt, wenigstens annäherungsweise, ähnliche Repräsentanten zwischenden Tropen. Hier erlangen diese Pflanzen einen baumartigen Wuchs,worin sie der gemäßigten Zone fremd sind, stehen aber vereinzelt, nicht indichten Gruppen zu Waldungen vereint. Besonders sind cs die Küstcn-gegendcn, die Ufer der Ströme, Gcbirgsbachränder und Inseln, welche vonihnen bewohnt werden; namentlich auf den letzteren gedeihen sie am besten.Drückt man die relativen Mengen von Pflanzen der verschiedenen Familieneiner gewissen Gegend durch Zahlen aus, um dadurch den Antheil zu be-stimmen, welchen jede einzelne Familie an dem VegctationScharakter dieserGegend nimmt, so findet sich z. B. als Verhältniß der Farrenkräutcr unsererGegenden zu den Pflanzen mit deutlichen Blumen (Phancrogamcn) l : 40.Dies Verhältniß steigert sich in , dm Tropen des südlichen Asiens zu >/->«,auf dein Contincnte von Amerika zu 1 / 2 «, auf den Antillen schon zuauf den einzelnen Inseln der Südscc zu sZ bis V-,, und auf den noch iso-lirter liegenden Inseln St. Helena und Tristan d'Acunha gar zu -/z.Hieraus wie aus den übrigen Vorkommnissen der acotyledonischcn Gefäß-pflanzen in gegenwärtiger Zeit, haben die Botaniker gefolgert, daß die Ent-wickelung dieser Gewächse eines Thcils von sehr hohen mittleren Tempera-turen '), wie anderen Thcils von einer sehr feuchten Atmosphäre abhängigist, und für die Beschaffenheit der Erde zu einer Zeit, als baumartigeEquhcten, Lycopodicn und Filiees in Menge auf ihr gediehen, jene Eigen-schaften als Hauptcharaktcrc derselben davon abgeleitet. Wir können die-len Annahmen vom geologischen Standpunkte nur bcistiminen, wie die

4)' Die mittlere Temperatur der Orte, wo heutiges Tages baumartige Farrenkräutcrund bessnterS die Marattiacec» wachsen, schwankt zwischen 13,2 Reaum. (Kaplanb)und 23,2 Reaum. (Maracaibo); mindestens dieselbe Mittcltcmperatur herrschte also zurZeit der Steinkohlenbildung in unseren Gegenden.