Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen
 

342

unterschiedenen Pflanzen hcrvorbrachte, nur eine Probe ihrer möglichen Pro-duktivität gegeben, und den bei weitem kleineren Thcil der Pflanzcnformenwirklich dargcstellt, welche sic zu gestalten fähig war. Wie unendlich reicherscheint hier die schöpferische Phantasie des Wcltgcistcs gegen die Armutheines menschlichen Bildners, dessen Produktionen, mögen sic auch zahlreicherals die eines Rubens, idealer als die Raphacl 's sein, doch immereinen gewissen cigenthümlichcn Charakter annehmcn und den Pinsel desMeisters verrathcn, wo sein Name nicht mehr am Bilde sich Nachwei-sen läßt.

Gehen wir demnächst zur Untersuchung des thicrischen Grundtypuöüber, so erkennen wir bald als ersten wesentlichen Unterschied seiner Formdie Endlichkeit des Schemas, das jedem einzelnen Thicrc zum Grunde liegt.Zwar ist es vielen Thiercn, gleich den Pflanzen, erlaubt, lebenslänglichfortzuwachscn und sich nach allen Richtungen hin zu vergrößern, aber sieändern dabei nicht ihre Formen, die Umrisse und Beziehungen der Thcilc,sondern sic dehnen sich bloß wie im Ganzen, so auch in jedem einzelnenThcilc mehr und mehr aus. Kein neuer Theil kommt hinzu, wenn dieMenge der vorgcschriebencn erreicht ist, keine Zehe mehr als in der Jugend,kein neuer Wirbel; aber die Pflanze bildet mit jedem Jahr mehr Zweige(Nebcnachscn), wenn sic überhaupt eine mehrjährige ist Z, und ändert da-durch die Beziehungen der vorhandenen Thcilc zu einander wesentlich. Je-des Thier ist nicht bloß in bestimmte, bei allen Individuen einer Art gleicheUmrisse, sondern was noch viel wichtiger ist, auch in gleiche endliche Zah-lcnwerthe seiner Bcstimmungsstückc eingeschlossen, während die Pflanze anihrer unendlichen Achse auch eine unendliche Menge von Thcilcn producirt,und nur innerhalb der Zyklen ihrer Achse constantc, endliche Zahlcnvcrhält-nissc entwickelt. Von einer solchen Anlage zeigen die Thicrc kein genauähnliches Beispiel, denn die sogenannten Zoophytcn (Pflanzcnthierc)sind keine einfachen Individuen, wie die Pflanze, sondern Gruppen vonIndividuen, gleichsam verwachsene Familien; eine Mutter mit zahlreichenKindern, Enkeln und Urenkeln, die alle, obgleich selbstständig und indivi-

4) Hierbei darf freilich nicht außer Acht gelassen werden, daß bei einer mehrjährige»Pflanze die jährliche Produktion, streng genommen, ein ganz neu cs Individuum ist,welches das ältere vorjährige bloß als Substrat, gleichsam als Skelet, benutzt, und sichüber ihm auöbreitct. Es wird dadurch das neue zwar im Allgemeinen in die Form desalten gezwungen, allein eine gewisse Selbstständigkeit bleibt ihm, und aus dieser folgt derformelle Unterschied.