332
Schranke, die es nicht zu überspringen vermag. Das Thier lebt haupt-sächlich, indem cs Materie verzehrt, die Pflanze dagegen nur dadurch, daßsic organische Materie erzeugt. —
Mit der Erkcnntniß dieser verschiedenen Thätigkciten sind wir zumwahren Inhalt der Begriffe von Pflanze und Thier gelangt, denn Alles,was beide Naturkörpcr an Mannigfaltigem in der Erscheinung uns darbic-tcn, ordnet sich jenen Hauptkritcrien sofort bei näherer Betrachtung unterund erscheint als Aecidcnz dieser wahrhaft charakteristischen substantiellenUnterschiede. Der Begriff, wie scharf er auch gefaßt sein muß, bleibt indcßein leerer, so lange er noch keine bestimmte Form angenommen hat; undda es in der Natur überall auf formelle Darstellung der ideellen Differenzen,auf Verkörperungen der Gedanken, abgesehen ist, so werden wir die Form-unterschicde der Materie im Ganzen wie im Einzelnen prüfen und aus ihnendie Differenz des formellen Typus im Thier- und Pflanzenreiche hcrlcitenmüssen. Denn wo ein wahrhaft verschiedener Begriff in der Natur unsbegegnet, da findet sich auch immer eine verschiedene Form; und dann istnicht blos in einzelnen Thcilen eine abweichende Erscheinung vorhanden,sondern ein allseitigcr und allgemeiner, wenn auch nicht überall gleich grellund augenfällig sich darstellender Unterschied.
Indem wir zur näheren Beleuchtung der formellen Verschiedenheitenübergehen, müssen wir zuerst zwei Seiten in der Betrachtung von einandertrennen, nämlich die allgemeine Form, oder den Gesammttypuö desNaturkörpcrö, von den Formen seiner einzelnen materiellenGrundbcstandthcile, seiner Organe und Gewebe, aus denen er sichaufbaut. In beiden Beziehungen zeigen Thiere und Pflanzen wesentlichdifferente, sogar entgegengesetzte Eigenschaften.
Das formelle Grundschema der Pflanzen weicht in doppelter Hinsichtvon dem der Thiere ab, insofern es einmal eine unendliche Gestaltist, deren vollständige Begrenzung nicht mit Nothwendigkcit aus der Lageihrer Bcstimmungsstücke sich ergicbt, und zweitens in seiner Anwendungunter jedweder bestimmten Form den einzelnen Repräsentanten noch einegroße individuelle Mannigfaltigkeit vcrstattct, mithin nicht die völlige Gleich-förmigkeit der äußeren Erscheinung herbciführt, welche im Thicrreichc anden Mitgliedern eine r Art wahrgenommcn wirb. Was die einzelnen In-dividuen, vermöge ihrer Selbstständigkeit als organische Naturkörpcr, Sub-jektives in die Verkörperung des Schemas hinübcrtragen können, ist beiden Thicren durchaus unbedeutend für die Gesammtform; es modificirt da-gegen im Pflanzenreiche die äußere Erscheinung des Individuums in einem