319
facht Btweist gelicfcrt, wir haben gcschcn, daß schnell erkaltende Laveneine glasartige Fvrm annahmen, daß nur in langsam erkaltenden die cvn-stituirenden Bcstandtheile ihre kristallinische Gestalt erreichen kannten, unddaß die Entwickelung der kristallinischen Beschaffenheit um so vollstän-diger und deutlicher erzielt wurde, je langsamer der ErkaltungSproeeß vorsich ging«). Auch für die Abschcidung auö dein Wasser ergab sich dasselbeResultat.
Vergleichen wir hingegen die Beziehungen, in welchen Form und Ma-terie der organischen Naturkörpcr zu einander stehen, so zeigt sich irr ihnenein auffallender wesentlicher Unterschied. Nie ist hier die Materie zugleich
Kalk als Kalkspath und Aragonit), welche ohne materielle AeNdcrungcn zu erleiden eineverschiedene Krystallform annchmcn, je nachdem sie bei höherer oder geringerer Tempera-tur krystallisircn, Solche Stoffe nennt man d i m o r p h c. Ans der andern Seite findensich Körper, welche bei Ungleichheit der Grundstoffe gleiche Krystallformen besitzen; diesenennt man i so m vrph c. Die letzteren enthalten jedoch immer gleich viele Proportional-theile (oder Atome) von ihren verschiedenartigen Grundbcstandthcileii, sind also nicht bloßformell, sondern auch quantitativ auf gleiche Weise gebildet. Gewöhnlich gicbt es ganzeReihen isomorpher Salze, unter denen wir nur die arscniksanrcn und phosphorsanrcn alseine, die sclcnsauren, chrvmsaurcn und schwcfclsanrcn als eine andere Reihe erwäh-nen wollen, Vergl. Th, Graham's Chemie, übersetzt von Otto, l, Bd, S, 297 ff,Brannschweig 1840, 8.
6) De» Mangel einer bestimmten Gestalt (Amorphie oder AmorphiSmnö) habenwir schon früher (S, 70) als Folge einer schncllcn Abkühlung bei Laven und Silicaten(S, 134) kennen gelernt. Die Amorphie scheint in diesen Fällen, wie überhaupt, durcheine Quantität Wärme bewirkt zu werden, welche der erstarrende Körper chemisch bindet,ohne sic dem Thermometer zu vcrrathcn, weshalb man diese Wärme versteckt (latent)nennt. Vielleicht können ebendeshalb amorphe Körper mitunter schon krystallisircn, be-vor sic schmelzen, wenn sic nur erwärmt werden; ja bei einigen scheint nicht einmal Er-wärmung nöthig zu sein, die Krystallisation tritt langsam ein, wenn die latente Wärmeallmälig aus dem Körper entweicht, oder durch irgend eine äußere Ursache ihm entzogenwird. Amorphe Körper wäre» demnach Stoffe mit einer gewissen Quantität latenterWärme, die derselben Materie in krystallisirtcr Fvrm fehlt. Mit dem Binden von laten-ter Wärme scheint es ferner im Zusammenhang zu stehen, daß amorphe Substanzen spezi-fisch leichter (nach Dcville um 0,04) sind, als dieselben Stoffe im krystallisirtcn Zu-stande; weil man annehmen darf, daß auch die gebundene Wärme ausdchncnd auf dieMaterie wirke. Ebenso betrachtet man auch den D i m orphis m u s als eine Krystalli-sation m i t oder ohne latente Wärme; welche Ansicht durch die Thatsachc sehr unter-stützt wird, daß dimorphe Körper die eine oder die andere Krystallform annchmcn, je nach-dem sic bei hoher (mit latenter Wärme) oder niedriger Temperatur (ohne latente Wärme)fest werden, Schwefel und Kalkspath lassen sich auf solche Weise gleichzeitig in je zweiKrystallformen darstellen, (Mitscherlich, Lehrbuch der Chemie, §, 53 ff.)