Bodens verrathcn sich gewöhnlich unter der Form von Wellenbewegungen;einzelne isolirtc doch oftmals ziemlich heftige Bewegungen scheinen von senk-rechten Stößen herzurühren, und in einem einmaligen Auf- und Absteigendes Bodens mit nachfolgenden leichteren Erzitterungen zu bestehen. Injeder großartigen und gewaltigen Erderschüttcrung aber zeigt cs sich deutlich,daß in der Gegend der heftigsten Einwirkungen die Bewegung einem dre-henden Wirbel gleicht, der den einfachen Hauptstoß umgicbt, und von ihmaus sich wellenförmig nach allen Seiten in die benachbarten Umgebungenfortpflanzt. So war cs namentlich bei den gewaltigen Eruptionen, dieCalabrien und Lissabon zerstörten.
Daß Erdbeben von unterirdischen, nach oben drängenden Gewaltenherrühren, ist keinem Zweifel mehr unterworfen; auch crgiebt sich auSdieser Art ihres Ursprungs von selbst die schon erwähnte Verschiedenheit derBewegungen. Geht die drängende Kraft senkrecht nach oben, von gleich-mäßig leitenden Erdschichten fortgcpflanzt, so wird das Resultat derselbeneine einfach aufstoßcndc Bewegung sein müssen, die in dein ganzen erschüt-terten Erdstrich um so weniger sich fühlbar macht, je weiter der getroffenePunkt von derjenigen Stelle, auf welche der Stoß senkrecht wirkte, entferntist. In einem solchen Falle läßt sich um die Bewegungen ein Kreis odereine Ellipse zeichnen, innerhalb welcher sich der Landstrich befindet, auf dender Stoß seine Wirkungen äußerte. Diese Fläche bildet den Erschüttc-rungskrcis, und seine Bestimmung, Größe, Ausdehnung und Lage zubenachbarten Umgebungen, zumal Gebirgen, ist wichtig, wenn man Erd-beben mit wissenschaftlicher Schärft seststcllen und ihre Beziehungen zu an-dereil Erscheinungen abwägcn will. Aber nicht alle Erdbeben wirken indieser Art, viele zeigen sich bloß einseitig in einer bestimmten Richtung, undwerden innerhalb dieser Richtung ebenfalls mit verschiedener Intensität beob-achtet. Solche Erdbeben haben immer eine wellenförmige Bewegung, undbringen durch dieselbe höchst merkwürdige Wirkungen hervor. Währendnämlich bei senkrechten Stößen, und noch mehr bei Wirbelbewegungen, dieOberfläche und besonders die auf ihr befindlichen Gebilde des menschlichenKunstflcißcS, vollständig zertrümmert zu werden pflegen, sobald der Stoßmit irgend einer genügenden Heftigkeit wirkte; ist cs bei gradclinig fort-schreitenden Wellenbewegungen häufig und auch einleuchtend, daß senkrechtgegen die Stoßlinic stehende Gegenstände zertrümmert werben, währenddie ihr folgenden oder parallelen unversehrt bleiben. Diese Thatsachc istwichtig für spätere Beobachter, welche aus den Wirkungen auf die Ursachenund Richtungen der Bewegung schließeil müsseil; denn cs giebt ihnen