Druckschrift 
Geschichte der Schöpfung : eine Darstellung des Entwicklungsganges der Erde u. ihrer Bewohner ; für die Gebildeten aller Stände
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

11

ausgestaulc Wasser endlich wieder durchbricht oder mit fortführt. Durchdie vermehrte Gewalt so großer Druckkräfte gelaugeu die Blöcke selbst biszur Ebene und verlieren auf diesem Wege thcilS durch die eigene Bewegung,thcilS durch daö fortwährende Anrcibcn der kleineren Stücke, ihre Kantenund Ecken. In der Ebene aber vermindert sich die Schnelligkeit bcS Laufesum so mehr, je geringer der Fall wird, und da mit der Abnahme des letz-teren auch die treibende Kraft nachläßt, so verringert sich in demselbenMaaße die Größe der Gerölle, welche der Fluß noch zu bewegen im Standeist; bald bleibt ihm nur der Kiessand übrig, auS dem daS Bett aller Flüsse,die nicht über reinere oder festere Lagen stießen, besteht. Dabei ändert sichseine Farbe je nach dem Erdreich, über dein seine Wasser sich bewegen ; dem:auch voir ihm spülen sic unaufhörlich Theile ab und führen sie so fein zer-thcilt, wie cs ihr Gefüge erlaubt, mit sich fort. Die cigcnthümlichc Farbeder Flüsse, welche über Sand, Thon oder Lehmboden fließen, rührt vonsolchen Beimischungen her, gleich wie daS klare oder dunkelschwarze Wasseraller Wald- und Moorbächc; Unterschiede, die sich noch lange erhalten,wenn zwei verschieden gefärbte Ströme zusammentreffen, und eine doppel-farbige in der Mitte fast scharf geschiedene Wasscrmassc bedingen. Dennjene feinsten erdigen Theile ruhen in den meisten Flüssen nie, so lange sienoch fließen; erst wenn sic ins Meer kommen, hört ihre Bewegung auf,ober wird eine andere. Aus solchem Material entstehen die Sandbänkeund Untiefen vor den Strommündungcn, oder Deltagcbilde, durch welchedie eigentliche Mündung des Flusses sich ändert und immer weiter ins MeerhinauSrückt. Welche von diesen Erscheinungen cintritt, hängt thcilS vonder Masse des bewegten und ins Meer geführten Erdreiches ab, thcilS vomMeere und seiner Bewegung, die durch herrschende Winde oder Strömungenbedingt sein kann. Wir werden diese verschiedenen Arten der Absetzungenan einzelnen Beispielen näher erörtern, und bei jeder die Gründe, welchegerade sic veranlaßten, untersuchen.

Kein Strom der Erde eignet sich zu einer solchen Betrachtung besser,als der Nil mit seinen periodischen Ueberschwemmungcn, denn er zeigt alleVeränderungen, welche ein Fluß hervorbringcn kanu, schon deshalb amvollständigsten, weil kein anderer durch einen so langen Zeitraum in seinerThätigkeit sich verfolgen läßt. Ucbcr 4000 Jahre reichen bekanntlich vieleDenkmäler hinaus, welche sich noch jetzt in seinen Wogen spiegeln, undebenso alte untrügliche Zeugen geben sic ab für die Umgestaltungen desBodens, die sein Wellenschlag in ihrer Nähe verursacht hat. Schon derLauf dcS Stromes selbst ist einer der merkwürdigsten, denn cs giebt keinen