Druckschrift 
Grundsätze der Volkswirthschaftslehre
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

103

§- 77 .

Andere Zustände ungünstiger Art treten ein, wenn das Ein-kommen hinter dem Umfange der Bedürfnisse zurückbleibt.

1) Dürftigkeit findet Statt, sobald nicht mehr alle, sondernnur noch die dringendsten Bedürfnisse ihre Befriedigung-finden können. Einige Entbehrung ist von der Dürftigkeitunzertrennlich, und da unter den oben (§. 75) aufgeführ-tcn Bedürfnissen die stnndesmäßigen noch am leichtestenunbefriedigt bleiben können, so beziehen sich die Entbehrun-gen des Dürftigen hauptsächlich auf diese («).

2) Armuth ist die Unfähigkeit, aus eigenen Mitteln auch nurden nothwendigcn Lebensunterhalt zu bestreiten. DieserZustand ist mit der Abhängigkeit von fremder Unterstützungverbunden, weil sonst die Gesundheit und selbst das Lebengefährdet sein würden.

3) Fehlt cs dem Armen an dieser Hülfe von anderen Men-schen, so treten Mangel und Elend ein.

(a) So lange noch ein Vcrmögcnsstamm vorhanden ist, kann der Dürf-tigkeit durch Zusetzen desselben vorgebcugt werden- — Nach den Er-klärungen von Do Oüraiillo (Do In bionsaisanoe publigue. I, 5)ist pauvretü das, was hier Dürftigkeit genannt wird, Armuth istiniIiKence. — kind oirn - 5° erro ra (?roeis, S. 180) nimmt fol-gende Abstufung an: llüüiocritü (Auskommen), — xene, — xuu-vretü, — üenuement, — Misere.

8- 78.

Versucht man, die vorstehenden Begriffe auf ein ganzesVolk anzuwcndcn, so muß zuvörderst das rohe und reine Ein-kommen eines gegebenen Volkes im Verhältniß der Menschen-menge betrachtet werden, unter welche sic sich vcrthcilen. Aberwenn man auch beide Größen durch die Volkszahl gethcilt unddadurch ausgemittelt hat, welcher Anthcil im Durchschnitte aufjeden Kopf trifft, so ist es doch äußerst schwierig, aus dieser An-gabe so, wie es bei Einzelnen geschieht (§. 75 — 77), auf denVcrmögcnszustand des Volkes zu schließen, selbst abgesehen vondem Umstande, daß solche Zahlensätze nur in Ansehung desVerkehrswerthes, nicht über den Gebrauchswert!) zu erhalten