Das siebenzehnte Kapitel.
Simpler nu» über das Mittelmccr reist,
Wird verführt an einen Ort, der's rothc Meer heißt.
Also wandertc ich dahin, mit dem Vorsatze, die aller-heiligsten und berühmtesten Oertcr der Welt in solch einemarmen Zustande zu besuchen. Denn ich bildete mir ein,Gott hätte einen ganz besonderen gnädigen Blick auf michgeworfen. Ich dachte, er hätte ei» Wohlgefallen an mei-ner Geduld und freiwilligen Armuth und würde mir des-wegen wohl durchhelfcn, wie ich denn auch dessen Hülfe undGnade handgreiflich verspürt und genossen habe. In mei-ner ersten Nachtherbergc gesellte sich ein Botenläufer zu mir,der vorgab, er sei bedacht, eben denselben Weg zu gehen,den ich vor mir hätte, nämlich auch auf Lorctto. Weil ichnun den Weg nicht wußte, »och die dortige Sprache rechtverstand, er aber vorgab, daß er kein sonderlicher schnellerLäufer wäre, so wurden wir eins, bei einander zu bleibe»und uns gegenseitig Gesellschaft zu leisten. Derselbe hattegemeiniglich auch an den Orten und Enden zu thnn, wo ichincincs Schloßhcrrn Schreiben abzulegcn hatte, und wo manuns dann fürstlich bcwirthete. Wenn er aber in einemWirthshause cinkchrcn mußte, so nöthigtc er mich zu sichund zahlte für mich aus, was ich jedoch in die Länge nichtannchmcn wollte, weil mich däuchte, ich würde ihm aufsolche Weise seinen Lohn, den er so säuerlich verdienenmußte, mit verschwenden helfen. Er hingegen sagte, er ge-nösse ja meiner auch, wo ich Schreiben zu bestellen hätte,Volksroman. VI. tz